Biographie


      2010 - Vom Punkrock zum Akustik-Duo "Perlenfischer"
    Es ist das Jahr 2010. 
    Mein Name ist Michael Novy. Ich bin 23 Jahre alt und habe im vergangenen Jahr - schweren Herzens - meine erste Band "Diabolic-Rider" auflösen müssen. Eine Band, in der ich mit meinen eigenen Songs erste musikalische Erfolge feiern durfte, Mit einer Musik, die man mit dem Wort "Punkrock" wohl am besten beschreiben könnte. Die Band selbst nannte ihren Stil aber einfach nur "Alcoholic-Party-Punk-Hardrock", was es damals wahrscheinlich auch ganz treffend beschrieben hat. In den fünf Jahren von 2004 bis 2009 spielten wir zirka dreißig kleinere Muggen, mit einem Repertoire von etwas mehr als zehn eigenen Songs. 
    Nach der Auflösung dieser Band habe ich zwar schon ein paar Soloauftritte gehabt, aber das erfüllt mich nicht so wirklich im vollen Umfang. Schöner wäre es, wieder in einer Band zu spielen - mit eigenen Songs, von mir geschrieben - vor einem größeren Publikum. Aber gute Musiker zu finden, die mit mir musikalisch und menschlich auf einer Wellenlänge sind, scheint es nicht zu geben. Ich suche schon lange in diversen Internetportalen nach geeigneten Musikern, doch leider bisher immer ohne wirklichen Erfolg. Vielleicht sollte ich es einfach aufgeben und doch solistisch weiter machen? Nein, das kommt nicht in Frage, ich werde weitersuchen. Schließlich heißt es ja immer: Wer suchet, der findet.
    An einem warmen Tag im August mache ich mich von meiner 26qm-Wohnung auf der Radeberger Straße 119 in Dresden auf den Weg ins Dresdner Stadtzentrum. Mein Ziel ist der Altmarkt, wo heute die Berliner Trommelgruppe STAMPING FEET, anlässlich des jährlich stattfindenden Stadtfestes, auftreten soll. In der Straßenbahn sehe ich viele Leute, die wahrscheinlich das gleiche Ziel haben wie ich. Es kann aber auch sein, dass sie nicht nur zum Altmarkt wollen, sondern auch zur großen Openairbühne am Theaterplatz, direkt vor der weltbekannten Semperoper, denn auch dort kann man zum Stadtfest immer wunderbare und kostenfreie Konzerte erleben. Ich sah am Theaterplatz in den vergangenen Jahren zum Beispiel so ziemlich jede angesagte Ostband, wie CITY, KARAT, RENFT, SILLY, ELECTRA, LIFT, und natürlich meine Lieblingsband PUHDYS. Aber auch ROSENSTOLZ, FRIDA GOLD oder ICH & ICH gaben sich dort schon die Ehre. Als ich am Altmarkt ankomme, sehe ich eine ganze Menge Leute vor der Bühne. Mittendrin steht ein großer, schwarzhaariger, junger Mann mit Brille. "Stamping Feet" trommeln sich bereits in Extase und bringen die Leute schon während des Soundchecks zum tanzen und feiern. Als das Live-Programm dann offiziell startet, kommt der Typ mit Brille auf mich zu und spricht mich an, ob ich ein PUHDYS-Fan sei, weil ich ein Shirt dieser Band trage. Er stellt sich mir mit dem Namen Peter vor und hat ein Shirt der Band UNHEILIG an. Über die Musik der beiden Bands kommen wir direkt ins Gespräch. Wir tauschen uns aus, welche Konzerte wir schon besucht haben, welche Lieder wir toll finden und was wir am heutigen Abend noch so machen wollen. Nach dem Auftritt von STAMPING FEET verschwinde ich dann aber relativ schnell und verabschiede mich - fast schon hektisch - von Peter. Ich weiß nicht mehr, ob meine Eile an dem weiteren Bühnenprogramm liegt - welches vorwiegend aus Schlagermusik besteht - oder an meinem langjährigen Kumpel Stefan, der mich schon lange am anderen Ende des Festgeländes erwartet.
    Als ich wieder zuhause bin, bedanke ich mich im Gästebuch von STAMPING FEET für die tolle Show auf dem Altmarkt. In dem Gästebucheintrag, der vor meinem gepostet steht, lese ich einen Kommentar von einem Peter, der nach einem PUHDYS-Fan namens Micha sucht, mit dem er sich vor der Show in Dresden unterhalten hat. Sofort ist mir klar, dass ich gemeint sein muss. Peter hat seine Emailadresse im Gästebucheintrag hinterlassen und so schreibe ich Peter eine Mail, ob wir uns vielleicht am darauffolgenden Tag beim Familienfest im Dresdner Zoo treffen wollen, denn dort wird STAMPING FEET ebenfalls einen Auftritt absolvieren. Ich klicke noch ein bisschen durch die Webseite der Band und siehe da, Peters Antwort enthält eine Zusage und flattert nur wenige Minuten später in meinem Email-Postfach ein.  

Bei besagtem Treffen im Zoo unterhalten wir uns wieder. Ich erzähle von meiner Punkband und meinem Vorhaben, eine neue Band zu gründen - vielleicht eine Art Puhdys-Coverband, da ich schon einige Songs der Puhdys auf der Gitarre spielen kann und die auch gern mal einem Publikum präsentieren möchte. Auch eigene Lieder gibt es nach der Auflösung von DIABOLIC-RIDER zuhauf. Die Texte schlummern alle zuhause in meiner Schublade "unfertige Songs" und warten eigentlich nur darauf, fertig getextet und komponiert zu werden. Peter hört gespannt zu und sagt, dass er leidenschaftlich gern Mundharmonika spiele, singen könne und wir uns mal zu einer kleinen Jam-Session treffen müssten. Diese Idee finde ich toll und so verabreden wir uns für den 12. September 2010 bei mir zuhause, um ein paar Songs zu schmettern.

Peter trifft pünktlich um 15 Uhr zur ersten gemeinsamen Probe ein. Meine Gitarre ist entstaubt, gestimmt und wartet bereits auf ihren Einsatz. Auf dem Wohnzimmertisch stehen Kaffee und Bier zum Verzehr bereit. Aus seinem Rucksack holt Peter seine Mundharmonika-Sammlung und zeigt mir darauf stolz die ersten Melodien, die er kann. Ich schließe die Augen und lass den Klang der Mundharmonika wirken. Wüsste ich nicht, dass es Peter ist, der gerade vor mir steht, würde ich denken, dass das einstige TV-Supertalent MICHAEL HIRTE vor mir steht. 

Begeistert von seiner Darbietung präsentiere ich ihm meinen neuesten Song "Alter Kapitän". Peter versucht ihn direkt zu singen. Ich bin sofort begeistert von seiner klaren Stimme, die sehr gut auf diese Ballade passt. Schnell bauen wir ein Mundharmonika-Solo ein und finalisieren den Song noch in der ersten gemeinsamen Probe. Am gleichen Tag probieren wir außerdem die Songs "Hiroshima" und "An den Ufern der Nacht" von den PUHDYS. Es wirkt, als wären wir schon sehr gut aufeinander eingestimmt und auch menschlich verstehen wir uns gut. Man muss Peter nur sehr genau sagen, wie man sich den Song vorstellt und Peter setzt es sofort mit seinen bestmöglichen Fähigkeiten um.

Wir verabreden uns zu weiteren Proben, die ab sofort jeden Sonntag, um 15 Uhr, bei mir zuhause stattfinden sollen.

Die neue Band, von der ich so lange geträumt hatte, scheint geboren zu sein - zumindest steht sie so gut wie in den Startlöchern. Zwar habe ich nicht vor, ewig als Akustik-Duo aufzutreten, aber gut, noch stehen wir ja am Anfang und ich bin guter Dinge, dass wir mit viel Übung, Überzeugung und Herzblut auch andere Musiker davon überzeugen können, bei uns einzusteigen und somit vielleicht, früher oder später, eine ganze Rockband zusammenbekommen.

Bei einer der nächsten Proben legen wir den Namen unserer Band fest. Ich habe die Idee, die neue Band "Wilder Frieden", oder "Neue Helden" zu nennen, aber diese Namen haben sich schon andere Bands gegeben, also entscheiden wir uns für "PERLENFISCHER". Ja, das ist gut, so wollen wir zukünftig heißen, benannt nach dem fünften Studioalbum der PUHDYS, bestehend aus meiner Wenigkeit an der Gitarre und Peter Herold als Sänger und Mann an der Mundharmonika.

Wir proben die Songs der letzten Probe und entwickeln das "Raucherlied", welches nur aus drei Akkorden besteht. Der Text entsteht tatsächlich in einer Raucherpause, die von mir, seit der ersten Probe mit den Worten "Jetzt rauche ich erstmal eine" eingeleitet wird. Den restlichen Songtext reime ich innerhalb von nur fünf Minuten dazu. Fertig ist der zweite hitverdächtige Song unserer Band. Ähnlich ist es übrigens auch bei dem nächsten eigenen Song "Einsam & Allein". Dieser besteht anfänglich nur aus einer Melodie für den Refrain, die ich Peter vorspiele. Spontan singt er immer wieder "allein, allein, einsam und allein" auf die fertigen Harmonien. Wir beschließen, den Refrain so zu lassen und ich schreibe die restlichen Textzeilen, wieder in nur wenigen Minuten, um den Refrain herum.

Doch schon am Abend nach der Namensgebung für unsere Band kommen mir die ersten Zweifel. Ich tue ich mich schwer mit der neuen, akustischen Musikrichtung. Sie bereitet mir ziemliche Probleme. Wahrscheinlich weil ich die Jahre zuvor immer nur mit E-Gitarre unterwegs war, um die Auftritte, Proberaum- und Studiosessions mit meiner Punkband zu absolvieren. Die Akustikgitarre, auf der ich früher von meiner Oma die ersten Harmonien gelernt bekommen habe, fiel 2007 einem Wasserschaden im damaligen Proberaum zum Opfer. Dort war im Nachbarraum des Probekellers der Schlauch einer Waschmaschine geplatzt. Die kaputte, nicht mehr zu rettende, Gitarre hatten wir damals mal als Feuerholz für ein Lagerfeuer verwendet, für etwas anderes war sie auch wirklich nicht mehr zu gebrauchen. Seither lernte ich auf einer gelben elektrischen Gitarre weiter, mit der ich auch bei der Punkband spielte. Und nun nur noch akustisch? Ich weiß nicht. In Gedanken versunken, schlafe ich irgendwann ein.

Erst mehrere Wochen nach der Gründung unserer neuen Perlenfischer-Band kaufe ich mir eine eigene Akustikgitarre der Marke XS, um die nunmehr akustischen Songs nicht weiter mit E-Gitarre spielen zu müssen. Schließlich verlangt mir die Akustikgitarre auch ein deutlich saubereres Gitarrenspiel ab, als eine verzerrte E-Gitarre, auf der man als Laie die kleinen Verspieler vielleicht nicht so schnell hört. Zwischenzeitlich leiht mir Peter auch eine alte und ausrangierte Akustikgitarre, die er von irgendwo her engagiert hatte, die sah aber bei weitem nicht so cool aus, wie meine "Neue" der Marke XS.

Nun bin ich also, vorerst ausreichend, ausgestattet und auch etwas motivierter, weiterhin die Akustikgitarre zu nutzen. Die ersten Bandproben mit Peter laufen bombastisch, sodass wir am 31. Oktober 2010, nur anderthalb Monate nach unserer Bandgründung, den ersten kleinen Auftritt bei einer privaten Geburtstagsfeier im Stadthaus Heidenau spielen können. 

Im Gepäck haben wir sechs Songs, die wir mit neuer Gitarre, Mundharmonika, Gesang und ohne Verstärkung (heute würde man es "unplugged" nennen) zum Besten geben. Gastgeberin der Feier ist niemand geringeres als die Mutter von Peter, die nichts von unserem Auftritt ahnt und sichtlich erstaunt ist, als ihr Sohn gegen 18.45 Uhr den Live-Auftritt seiner neuen Band ankündigt. Als ich - als unbekannter Fremder - dann hinzu komme, ist die Überraschung perfekt. Wir starten mit dem PUHDYS-Song "An den Ufern der Nacht", den die zirka zwanzig Partygäste, bereits ab dem zweiten Refrain, begeistert mitsingen. Nach tobendem Applaus geht es nahtlos weiter mit "Hiroshima" und der Uraufführung unseres Songs "Alter Kapitän". Ein Zuhörer meldet sich zu Wort und sagt, dass er sich sehr gut mit meinem Text identifizieren könne, da er selbst mal auf einem Schiff angeheuert und es genau so erlebt habe, wie es im Lied besungen wird. Ich freue mich über den ersten Beweis, dass unsere Lieder aufmerksam gehört werden und die Leute offensichtlich auch mit meinen Texten etwas anfangen können. Im Anschluss schallt "Hey John" von den PUHDYS durch den Raum - ein Tribut an den BEATLES-Musiker John Lennon, der am 9. Oktober 2010 siebzig Jahre alt geworden wäre, wenn er nicht 1980 in New York erschossen worden wäre. Danach erklingt der wunderbare Song "Komm doch mit" von der Band ARMOR & DIE KIDS. Vor allem der Refrain begeistert das Publikum und bringt die Stimmung des Abends auf den Höhepunkt. Als Abschluss outet sich das "Raucherlied" schon fast als Hymne des Abends, immer und immer wieder wird eine Zugabe des Refrains verlangt. Alles in allem ist es ein rundum gelungener Abend für die Band und auch für das Publikum. Der Abend klingt mit Gesellschaftsspielen und einer abwechslungsreichen Musikauswahl aus dem CD-Spieler aus und wir sitzen noch lange bei Bier und leckerem Buffett zusammen. Der 31. Oktober 2010 wird immer ein Tag voller Aufregung und Lampenfieber sein, den unsere Band nie vergessen wird.

Noch am Abend, nach der ersten Mugge, bastele ich am heimischen Laptop eine Homepage für die Perlenfischer-Band, denn die ersten Fans haben wir bei unserem ersten Auftritt schon für uns gewinnen können. Nun liegt es an uns, auch außerhalb der Familie, neue Fans zu erreichen und von uns zu überzeugen. Das geht natürlich nur mit einer informativen Webseite und vielen Auftritten, für die wir nun neue Songs einstudieren werden, um diversen Veranstaltern noch längere Auftritte anbieten zu können. Peter und ich sind uns sehr bewusst, wie viel Übung und Marketing es braucht, um mit der Zeit irgendwie erfolgreich zu werden.

Um unsere neusten Songs vorab präsentieren und final testen zu können, machen wir am 5. Dezember 2010 eine Art "öffentliche Probe im Familien- und Freundeskreis". Dazu laden wir eine Hand voll Leute zu mir nachhause ein, um ihnen unsere Songs vorzuspielen, bevor sie einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Die Veranstaltung tarnen wir als Weihnachtsfeier, damit auch ein paar Leute kommen. Mit vier Freunden, die unserer Einladung folgen, läuten wir schließlich die Vorweihnachtszeit ein. Bevor wir aber zu den Instrumenten greifen, hören wir aus der Reserve Weihnachtslieder von CITY, den PUHDYS und UNHEILIG. Wir verdrücken fleißig Lebkuchen, Spekulatius und selbstgebackene Plätzchen. Gut gewärmt vom Glühwein beginnen wir schließlich gegen 17.30 Uhr mit dem Live-Auftritt, der zu Beginn die gleiche Setlist, wie die vor ein paar Tagen im Stadthaus Heidenau hat. Vor dem ersten Lied gibt es unser neues Instrumental-Intro mit Gitarre und Mundharmonika als Einleitung. Ganz nebenbei präsentieren wir auch unsere zwei neuen Songs "Frohes Fest" und "Omas Hund". Die Songs kommen sehr gut an. Zum Abschluss unserer kleinen Feier schauen wir die Puhdys-Weihnachts-DVD zur Dezembertage-Tour. Es ist ein sehr lustiger und besinnlicher Abend, der uns einmal mehr zeigt, dass wir bereit sind, im nächsten Jahr weitere Auftritte an Land ziehen zu können.

In der Tat stehen für das Jahr 2011 schon bald neun Auftritte fest, die wir, vorwiegend ohne elektrische Verstärkung, bei Familienfeiern und Hochzeiten absolvieren werden. Das Ganze nennen wir "Perlenfischer-Wohnzimmerkonzerte", mit denen wir uns, wenn alles gut läuft, auch bei vielen Fans der PUHDYS Gehör verschaffen können.

2011 - Erste Tour und erster Proberaum

In den Proben üben wir weitere Coversongs, darunter "Lied für Anja" und "Perlenfischer" von den PUHDYS und "Apfeltraum" von RENFT. Es entstehen auch neue eigene Songs, wie "Hinter den Städten" und "Happy Birthday", die schon beim nächsten Auftritt ihre Uraufführung feiern werden.

Als wir am 1. April 2011 gegen 16.30 Uhr das Gelände der Drogenmühle in Heidenau betreten, um dort unsere nächste Mugge zu spielen, sind wir begeistert von der Atmosphäre, die diese historische Lokalität ausstrahlt. Wir beginnen unseren Soundcheck und bereiten uns seelisch und moralisch auf die kommende Festlichkeit vor. Der Anlass unseres Auftrittes ist der 90. Geburtstag einer sympathischen, agilen und junggebliebenen Dame. Gegen 18 Uhr beginnen wir unseren 25-minütigen Live-Auftritt mit dem PUHDYS-Coversong "An den Ufern der Nacht". Nach "Hinter den Städten", "Komm doch mit" und "Happy Birthday" überreichen wir der Jubilarin einen Blumenstrauß. Danach folgt der PUHDYS-Song "Perlenfischer" und natürlich darf auch "Alter Kapitän" nicht fehlen. Den Schluss des Programmes bilden die drei PUHDYS-Coversongs "He, John", "Hiroshima" und "Lied für Anja". Nach dem Auftritt bitten uns die Angehörigen noch, mit der alten Frau anzustoßen und wünschen sich zum krönenden Abschluss noch eine Zugabe. Also schütteln wir unsere instrumentale Version des RENFT-Songs "Apfeltraum" aus dem Ärmel und kassieren somit nochmals einen großartigen, nicht enden wollenden, Applaus. Als wir zusammengepackt haben verbringen wir noch eine gute Stunde im Kreise dieser Festlichkeit, bei der wir von allen Anwesenden sehr höflich und zuvorkommend behandelt worden. 

Der nächste Auftritt wird erst am 28. Mai 2011 in Dresden stattfinden, sodass wir nun zirka vier Wochen zum üben haben, die wir auch intensiv nutzen werden. Noch immer proben wir in meiner kleinen Wohnung, mitten im Wohngebiet der Radeberger Straße. Oft spielen wir einfach wild drauf los, um neue Ideen zu bekommen und versuchen, so gut es geht, das Klopfen, Klingeln und Hämmern meiner genervten Nachbarn zu ertragen. Allerdings richten wir uns ganz brav, nach und nach, auch darauf ein, gewisse Zeiten einzuhalten. Auch wenn uns das nicht immer leicht fällt, wenn wir zum Beispiel gerade an einer neuen Idee tüfteln und dann, aufgrund der fortgeschrittenen Stunde, abbrechen müssen.

Gott sei Dank wird es zu dieser Zeit aber draußen auch langsam warm. Der Sommer steht vor der Tür und ermöglicht uns, auch mal draußen im Grünen zu proben. Wir sitzen mit unseren Instrumenten oft am Elbufer, nahe der Saloppe oder auf einer Wiese im Großen Garten, wo wir an unseren Songs feilen, bis sie uns endgültig gefallen. Manchmal bleiben ein paar Passanten stehen und lauschen für ein paar Minuten unserer Musik, bevor sie weiter ihrer Wege gehen. Manche suchen aber auch direkt das Gespräch mit uns und geben uns, quasi schon in der Probe, ein kleines Feedback für unsere Arbeit. Keine Frage, dass wir als pure Anfänger dafür sehr dankbar sind und uns diese Proben in der Natur immer besonders große Freude bereiten.

Als wir eines Tages bei der Probe vom Regen überrascht werden, flüchten wir in den Wald. In der Dresdner Heide finden wir eine alte, leerstehende Fabrikhalle, die zum einen Schutz vor dem Unwetter bietet und uns zugleich vor genervten Nachbarn bewahrt. Hochmotiviert üben wir weiter und lassen uns von nichts aufhalten. Aber uns wird auch klar, dass diese Proben in der Natur nur eine Option für die Sommertage mit gutem Wetter sind. Wir können nicht ewig ungestört in meiner Einraumwohnung üben, vor allem dann nicht, wenn wir zum Beispiel irgendwann einen Schlagzeuger finden würden, dessen Instrument dann platztechnisch mein komplettes Wohnzimmer beanspruchen würde. Also begeben wir uns schon bald auf die Suche nach einem geeigneten Proberaum, in dem wir ungestört, wetterunabhängig und so lange wir wollen, üben können.

Fündig werden wir Mitte Mai 2011 in Dresden-Löbtau. Das dortige "Volume11" bietet zahlreiche Proberäume an, die man stundenweise anmieten kann, in denen man die komplette Technik zur Verfügung gestellt bekommt und keinerlei Rücksicht auf nervige Nachbarn nehmen muss. Man kann Krach machen, wann immer man will. Ein wahres Paradies für junge Musiker, wie wir es sind.

Für den Anfang entscheiden wir uns für den kleinsten Raum: "Standard 1" - ausgerüstet mit einem Schlagzeug, einer Gesangsanlage und einem Gitarrenverstärker. Die Tür und die Wände sind mit Lärmschutz versehen und es gibt ein kleines Fenster, mit Blick zur gegenüberliegenden Tankstelle. Allerdings darf das Fenster, laut Hausordnung, nur in den Pausen zum Lüften geöffnet werden. Peter sagt: "Das wird uns an heißen Tagen wirklich zum Schwitzen bringen." Aber Nils, der Inhaber des Volume11, gibt Entwarnung und verspricht in solchen Fällen die Räume mit ausreichend Ventilatoren auszustatten, die dann wohl im Dauereinsatz arbeiten und auf höchster Stufe laufen werden müssen. Das Gute am "Volume11" ist außerdem, dass man sich auch Mikrofone und Gitarren ausleihen kann, wenn man mal keine Lust hat, sein ganzes Gerassel quer durch die Stadt, in Bus und Bahn, zum Proberaum zu schleppen. Ich zumindest mache davon sehr regelmäßig Gebrauch. Auch Gitarrensaiten, Hörschutz, Trommelfelle für das Schlagzeug und diverse Getränke kann man vor Ort käuflich erwerben. Wir sind begeistert und werden nach der nächsten Mugge, also ab Anfang Juni 2011, diese Räumlichkeiten für unsere wöchentlichen Proben nutzen. Nun steht aber erst noch ein Perlenfischer-Wohnzimmerkonzert an.

Es ist der 28. Mai 2011, als es Petrus mit uns gut zu meinen scheint. Die Sonne lacht und die Temperaturen versprechen ein gutes Konzert. Gut so, denn heute steht das erste Openair-Wohnzimmerkonzert unserer Band auf dem Plan. Ich mache mich mit einer schweren Bronchitis und 39,8 Grad Fieber auf dem Weg zum Dresdner Hauptbahnhof, wo ich Peter in Empfang nehmen werde. Er wohnt in Heidenau und reist mit der S-Bahn an. Vom Hauptbahnhof geht es dann mit der Straßenbahn weiter zur Kesselsdorfer Straße, wo die Gäste, bei unserer Ankunft um 19 Uhr, gerade das leckere Buffet verzehren. Bevor wir unseren Auftritt gegen 19.30 Uhr beginnen, gibt es die traditionelle Tasse Kaffee und tiefgründige Unterhaltungen über Ostrock und die ROLLING STONES. Mit "An den Ufern der Nacht" eröffnen wir schließlich unseren Auftritt bei dieser geselligen Geburtstagsrunde. Weiter geht es mit "Hinter den Städten", "Perlenfischer", "Happy Birthday" und "Hey John". Als wir "Alter Kapitän" spielen, merke ich, wie das Publikum wieder gespannt zuhört und die romantische Atmosphäre des Sonnenuntergangs genießt. Nach "Komm doch mit", bei dem viele ihr Talent zum Mitsingen unter Beweis stellen, schmettern wir erstmals "Einsam & Allein" - der durch seinen rockigen Einfluss schon ein guter Vorgeschmack auf die erste CD der Perlenfischer-Band sein soll. Als letzten Song des 30-minütigen Auftrittes spielen wir den instrumentalen "Apfeltraum". Nach reichlich Applaus des Publikums überreichen wir den Gastgebern einen Blumenstrauß und ein kleines Geburtstagsgeschenk, welches sofort ausgepackt wird. Als Zugabe spielen wir "Hiroshima" und das "Lied für Anja" von den PUHDYS. Im Anschluss kommen wir dann doch noch in den Genuss des leckeren Buffets und haben die Gelegenheit, uns mit dem Einen oder Anderen über unseren Auftritt zu unterhalten. Obwohl wir eigentlich schon aufbrechen wollen, lassen wir uns noch zu einer wilden Tischtennisrunde überreden und verlieren haushoch, sehr zur Freude der Gastgeber, die ihren Sieg in jeglicher Hinsicht auskosten. Aber auch für uns gibt es noch eine positive Überraschung: Die Hutaktion der Gastgeber, die einiges an Geld für unsere Bandkasse zusammenkommen lies, hat unser Versagen beim Tischtennis schnell wieder vergessen lassen und wir konnten uns glücklich und zufrieden auf den Heimweg machen.

Nach dem erfolgreichen Tourstart in Heidenau und Dresden machen wir nur wenige Tage später, genauer gesagt am 4. Juni 2011, die nächste Stadt unsicher. Trotz reichlich Verspätung durch den Kirchentag, der in Dresden die Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reichlich erschwert, treffen wir gegen 18 Uhr in der Vereinsanlage des Kleingartenvereins "Waldesruh e.V." in Pirna ein. Rund vierzig Zuschauer warten auf unseren Auftritt, der im Wesentlichen die gleiche Setlist beinhaltet, wie die Mugge auf der Kesselsdorfer Straße, nur dass wir das Programm um zwei Songs erweitert haben: Wir spielen erstmals "Marmorstein und Eisen bricht" von DRAFI DEUTSCHER und unseren brandneuen eigenen Titel "Neue Wege". Zufrieden und hungrig stürzen wir uns nach dem Auftritt auf das Buffet, welches nie leer zu werden scheint und nutzen die Zeit des Essens, um das Gespräch mit dem Publikum zu suchen. Währenddessen findet ein buntes Kulturprogramm mit einem Akkordeonspieler und vielen anderen Darbietungen statt, die dem Gastgeber anlässlich seines sechzigsten Geburtstages eine Freude machen wollen. Unter ihnen auch ein Soloauftritt vom Perlenfischer-Peter, der spontan zwei Schlagersongs mit Halbplayback zum Besten gibt. Aber es soll noch eine Anekdote geben, die uns von diesem Abend noch lange in Erinnerung bleiben soll.

Ein kleines Mädchen, namens Annalena, macht uns eine große Freude. Sie saß schon während unseres Auftrittes die ganze Zeit vor mir auf dem Fußboden und schaute mir akribisch auf die Hände. Kurz bevor ich den Heimweg antreten will, kommt Annalena auf mich zu und fragt mich, ob sie mal auf meiner Gitarre spielen dürfe. Ich frage sie, wie lange sie schon spiele und wie alt sie sei, darauf antwortet sie: "Ich bin sechs Jahre alt und fange gerade an Gitarre zu spielen." Ich gebe ihr meine Gitarre und sie zeigt mir mit einem stolzen Blick und strahlenden Augen, was sie schon alles kann. Ich lobe sie in den höchsten Tönen und verabschiede mich dann mit meiner Gitarre von ihr und den anderen Kindern, die das, was Annalena schon kann, nun ganz offensichtlich auch können wollen. Das müssen sie dann aber wohl mit ihren Eltern klären. Als ich gegen 23.15 vom Gastgeber zum Pirnaer Bahnhof chauffiert werde, wird vor Ort noch lange weiter gefeiert. Für mich endet ein langer, aber unvergesslicher Abend voller Gastfreundlichkeit.

Nun liegt wieder ein ruhiger Monat vor uns. Im neuen Proberaum üben wir u.a. das Kultlied "Über sieben Brücken musst Du gehen" von KARAT und das Lied "So" von KEIMZEIT. Peter plant am 30. Juli 2011 eine Feier mit zirka zwanzig Leuten zu seinem 25. Geburtstag. Location soll das Heidenauer Stadthaus sein - dort wo wir beide unseren ersten Auftritt hatten. Natürlich wird zu seiner Feier auch ein Auftritt unserer Band stattfinden. Unser Ziel ist es, bis dahin ein Programm von einer Stunde zusammenzustellen und unser gesamtes Repertoire zu präsentieren. Das Highlight des Abends werden nicht nur die selbstgemachten Buletten und der köstliche Kartoffelsalat sein, sondern auch ein integrierter Soloauftritt von Peter. Er wird die KARAT-Songs "Kleine Nachtmusik" und "Melancholie" mit Halbplayback präsentieren. Das Publikum wird wieder textsicher mitsingen und uns nach jedem Song einen langen Applaus bescheren.

Selbstgemachte Salate und Leckeres vom Grill gibt es auch bei dem, darauf folgenden, Auftritt am 27. August 2011 im Kleingartenverein "Frühauf Kaitz 1905 e.V." in Dresden. Trotz Dauerregen und nur einer Hand voll Zuschauer kocht mit dem Beginn des Perlenfischer-Konzertes, ab 17.30 Uhr die Stimmung. Später klart der Himmel auf und zeigt den fantastischsten Sonnenuntergang, den ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Das Publikum scheint immer wilder und heißer auf unsere Songs zu werden und so müssen wir nach dem Konzertende nochmal ran und manche Lieder ein zweites und sogar drittes Mal spielen. Zum Schluss spielen wir, eine Stunde lang, nur noch instrumentale Improvisationen und den Song "Junimond" von RIO REISER, den wir eigentlich erst für den nächsten Auftritt geplant hatten.

Die instrumentale Improvisation dieser Mugge bringt uns letztlich zum eigenen Konzert-Outro. Genau wie das Intro, besteht nun auch das Outro lediglich aus Gitarre und Mundharmonika. Auch der PUHDYS-Song "Regen" gehört ab sofort zu unserem festen Repertoire. Wir werden beides bei meiner privaten PUHDYS-Party am 10. September 2011 zum ersten Mal live vorstellen.

Am 5. November 2011 findet dann der nunmehr dritte Auftritt unserer Band im Stadthaus Heidenau statt. Es ist schon fast historisch, denn heute vor ziemlich genau einem Jahr spielten wir hier unseren allerersten Auftritt. Heute stehen wir wieder hier - wieder feiert Peter's Mutter ihren Geburtstag und wieder sind es zirka zwanzig Zuschauer. Statt nur sechs Liedern bringen wir diesmal allerdings 26 Lieder mit, also rund anderthalb Stunden Programm, welches wir nach 45 Minuten mit einer kurzen Pause unterbrechen. Neue Songs an dem Abend sind "Alles nur geklaut" von den PRINZEN, "Der Clown" von NEUMIS ROCKZIRKUS, "Der letzte Kunde" von MTS, "Geh zu ihr" von den PUHDYS; die "Kleine Nachtmusik" von KARAT sowie der neue eigene Titel "Sinn des Lebens" und ein selbst komponiertes instrumentales Stück, welches schon fast wie aus der Volksmusik klingt, aber nicht wirklich einen Namen hat. Gedankt wurde unsere Mühe wieder mit zahlreichem Applaus nach jedem Lied.

Nun neigt sich das Jahr 2011 auch schon wieder dem Ende und spätestens jetzt schwindet auch mein anfänglicher Zweifel, ob der Akustiksound das Richtige für mich sei. Ich merke förmlich, wie ich immer sicherer auf den Nylonsaiten werde und auch meine Nervosität, die mir bei den ersten Auftritten oftmals taube Finger bescherte, verschwindet mit der Zeit. Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich bei einem falsch gespielten Ton sofort "Scheiße!" rief und somit den Zuschauern sprichwörtlich meine Fehler direkt auf dem Silbertablett servierte. Auch das konnte ich, im Laufe der Jahre, glücklicherweise abstellen und kleine Fehler fallen nun nur noch den wenigsten Konzertbesuchern auf.

Nun wird es Zeit, wie auch im letzten Jahr, im kleinen Kreise unserer Freunde, die Vorweihnachtszeit einzuläuten. Das Perlenfischer-Weihnachtskonzert wird aber diesmal nicht bei mir zuhause, sondern im großen "Advanced 2"-Raum des Volume11 stattfinden. Wir laden uns zehn Leute ein und lassen mit ihnen das vergangene, erlebnisreiche Jahr nochmal Revue passieren. Zum ersten Mal spielen wir mit Gesangsanlage und Verstärkern vor einem Publikum. Für den Soundcheck nehmen wir uns mehrere Stunden Zeit, um den idealen Sound herauszuholen. Pünktlich nach dem ersten Glühwein beginnt dann auch schon der erste Konzertteil um 16 Uhr. Nach knapp 45 Minuten Live-Musik gibt es eine kurze Verschnaufpause, die zum Verspeisen der zahlreichen selbstgebackenen Kekse und für den ein oder anderen Toilettengang genutzt werden kann. Der zweite Konzertteil beginnt dann kurz nach 17 Uhr. Neben den Hits, die die Band das ganze Jahr spielte, freut sich das Publikum besonders über die Weihnachtssongs, unter denen sich meine Gesangspremiere bei dem PUHDYS-Song "So große Wünsche" als besondere Überraschung hervorhebt. Auch "Wenn Du nicht wärst" von den PUHDYS und der neue Song "Wo Du auch bist", der aus meiner Feder stammt, lässt das Publikum reichlich staunen. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und das Publikum lässt es sich nicht nehmen, sich bei der Band während der Pause und auch nach dem Konzert mit reichlich Lob und kleineren Weihnachtsgeschenken zu bedanken. Wir bedanken uns und versprechen ein weiteres Weihnachtskonzert am 01.12.2012 im Volume11.

Der letzte Auftritt des Jahres soll aber nicht im Volume 11 sein, sondern am 11. Dezember 2011 im Kleingartenverein "Frühauf Kaitz 1905 e.V.", wo wir bereits im August gastierten. Im dortigen Vereinshaus findet eine Weihnachtsfeier des Vereins statt und wir sind als Band gebucht. Vor zirka 40 Menschen präsentieren wir unser etwas gekürztes Weihnachtsprogramm und spielen zirka 40 Minuten vor einem begeisterten Publikum. Vor allem die  Hits "Über 7 Brücken musst Du gehen" und "Marmorstein & Eisen bricht" entpuppen sich als Highlight des Abends. Als krönenden Abschluss holt Peter seine damalige Freundin Steffi mit auf die Bühne und singt mit ihr das Duett "So große Wünsche". Die Überraschung ist perfekt und die Leute sind begeistert.

Nach der Show kommt Steffi auf mich zu und fragt mich, ob sie in die Band einsteigen könne, aber nicht als Sängerin, sondern als zweite Gitarristin. Ich überlege kurz und sage ihr, dass sie zur nächsten Probe mal zeigen solle, was sie kann und dann würden wir dort über weitere Schritte entscheiden. Leider zeigt sie dann bei dieser Probe nur was sie nicht kann, nämlich Gitarre spielen. Stattdessen sitzt sie rum, macht große Sprüche und traut sich am Ende nicht einmal einen Song vor Peter und mir zu spielen. Auch die Akkorde, die sie versucht zu greifen, sind fehlerhaft und unsauber. Das wäre wirklich kein Gewinn für unsere Band. Also sage ich ihr, dass sie zuhause üben könne und ja nochmal vorbei kommen könne, wenn sie einen kompletten Song sauber und fehlerfrei spielen kann. Seitdem hat sie nie wieder gefragt und ich weiß, wie wichtig ihr der Einstieg in unsere Band wirklich war.

Währenddessen laufen im Volume11 die Vorbereitungen für das kommende Jahr auf Hochtouren. 

2012 - Kein Jahr wie jedes andere

Im Proberaum entstehen zwischen Januar und April 2012 die zwei neuen Songs "Eigentlich Urlaub" und "Dresden-Blues". Peter und ich nehmen die Songs im Proberaum auf, damit wir gewisse Abläufe und Übergänge bis zur nächsten Probe nicht vergessen. Für die Aufnahme nutzen wir aber keine hochwertige Tontechnik, die wir uns gar nicht leisten könnten, sondern lediglich eine einfache und handelsübliche Videokamera. Zuhause wird dann aus dem Film eine Audiodatei im MP3-Format, um die Songs auch unterwegs auf dem MP3-Player hören zu können. Gerade Peter nutzt diese Vorgehensweise oft, um sich die Songtexte immer und immer wieder anzuhören, bis sie sich in seinem Hirn einprägen und er sie auswendig kann. Das funktioniert einwandfrei und Peter wird schnell zum textsichersten Sänger, den ich kenne.

Nach vier Monaten im Proberaum bekommt man aber auch recht schnell wieder einen gesunden Heißhunger darauf, vor einem Publikum zu spielen. 

Es ist der 27. April 2012 und der diesjährige Tourauftakt, bei einer privaten Hochzeitsfeier in Coswig, steht auf dem Programm. Nach einem langen Stau während der Anreise, treffen wir trotzdem noch pünktlich um 18 Uhr in der Gaststätte "Talkenberger Hof" ein. Unsere Technik wurde von Kalle, dem ehemaligen Sänger von "Diabolic-Rider", bereits transportiert und aufgebaut und wartet nun vor Ort schon sehnsüchtig auf ihren Einsatz. Nach einem kurzen Soundcheck mit einem anfänglichen Mikrofonkabel-Problem, welches wir aber schnell beheben können, starten wir unser Live-Programm vor ungefähr dreißig Zuschauern. In insgesamt vier Etappen präsentieren wir den Hochzeitsgästen unser vollständiges Songmaterial und agieren sozusagen als Begleitband des Abends. Die Stimmung ist phänomenal. In den Pausen wird sich reichlich unterhalten, amüsiert und das leckere Buffet gestürmt. Eine Besonderheit des Abends bildet dann allerdings das allseits bekannte Lied "Es klappert die Mühle", welches wir, auf Wunsch des Hochzeitspaares, mit einem eigenen Text für das junge Eheglück vortragen. Somit hat unsere Setlist sogar einen persönlichen Touch für die Zuschauer bekommen. Gegen Mitternacht packen wir gut gesättigt - und mit ein paar Bierchen im Bäuchlein - unseren Kram zusammen und fahren zufrieden nachhause.

Klein aber fein geht es, einen knappen Monat später, weiter. Ringo P. aus Heidenau lädt uns in seine Wohnung sein, damit wir bei seiner Geburtstagsfeier auftreten. Als wir am 20. Mai 2012 um 14 Uhr bei ihm eintreffen, werden wir direkt von der ganzen Familie in Empfang genommen. Nach Kaffee und Kuchen spielen wir die ersten elf Songs unserer Setlist. Die anschließende Pause nutzen wir für einen ausgiebigen Spaziergang an der Elbe, bei bestem Wetter und mit tollen Gesprächen. Als wir zurück sind, geht es direkt in die zweite Runde des Live-Programms, welches nochmal 13 Titel beinhaltet. Nebenbei wird auf dem Balkon der WBS70-Plattenwohnung schon mal der Grill angeheizt, damit die Würstchen auch rechtzeitig fertig sind. Zum Schluss ist die Stimmung so wunderbar, dass wir sogar ein paar Songs doppelt spielen müssen. Schließlich endet der Abend mit einem gemütlichem Abendessen unter neu gewonnenen Freunden.

Die kleinen Wohnzimmerkonzerte machen Peter und mir richtig Spaß. Dennoch wäre es doch schön, wenn wir nach nunmehr zwei Jahren, die wir zusammen musizieren, auch mal vor einem größeren Publikum spielen könnten. Und siehe da, im Mai 2012 bietet sich uns genau ein solcher Auftritt an. Eines Tages meldet sich telefonisch ein Veranstalter aus Neustadt in Sachsen bei mir. Er sagt, er wäre von einem Reitverein und hätte über die Mutter meiner Freundin von unserer Band erfahren. Er sagt, er wäre der Organisator eines Straßenfestes und möchte unsere Band gern dafür engagieren. In der Tat ist die Mutter meiner Freundin Josephine in diesem Reitverein und hat ihm wohl unsere Webseite empfohlen, auf der es mittlerweile auch Hörproben von uns gibt. Jetzt fragt mich der Veranstalter doch tatsächlich, ob wir Lust hätten am 2. Juni 2012 für ihn zu spielen. Ich denke mir: "Was für eine überflüssige Frage. Ein Auftritt auf einer riesigen Openairbühne, mitten im Stadtzentrum, vor über 300 Leuten?!" Natürlich haben wir darauf Lust! Ich lass mir die restlichen Konditionen durchgeben und sage schließlich zu.

Am Tag der Veranstaltung fahren wir mit dem Bus, bewaffnet mit Mundharmonika-Sammlung, meiner gerade neu angeschafften, halbakustischen Klampfe der Marke "Fender" und einem Mikrofon, in das 35-Kilometer entfernte Neustadt in Sachsen, zu unserer bisher größten Mugge. Wir sind natürlich extrem aufgeregt, dass am Ende auch alles klappt, wir die Leute gut unterhalten können und vielleicht den einen oder anderen neuen Fan für uns gewinnen können. Nach einigen Verzögerungen dürfen wir dann um 19.45 Uhr endlich auf die Bühne und präsentieren unsere Show. Das Wetter ist grandios und der Blick von der Bühne gigantisch! Wir blicken die Böhmische Straße hinunter und überall sind Menschen, die ausgelassen feiern und tanzen. Ganz Neustadt muss auf den Beinen sein. Unmittelbar vor der Bühne versammeln sich schnell zirka zwanzig junge Frauen, die ganz offensichtlich einen Junggesellinnenabschied feiern und schon gut einen getankt haben. Es dauert nicht lange und eine von ihnen steht direkt neben uns auf der Bühne und lallt uns zu. Sie will, dass Peter sich oben herum frei macht und sich von ihr mit einem Edding die nackte Brust signieren lässt. Nach kurzer Diskussion lässt sich Peter erweichen und entblößt seinen Oberkörper. Das Publikum tobt, feiert uns für diese Aktion und das ohrenbetäubende Kreischen der restlichen Mädels vor der Bühne werde ich wohl noch einige Tage im Ohr haben. Es dauert am Ende eine ganze Weile, bis wir nach dieser Überraschung mit unserem Programm weitermachen können. Hinter der Bühne wartet währenddessen schon ungeduldig die Band SIMULTAN, die uns übrigens beim heutigen Auf- und Abbau helfend zur Seite stand und nun nach uns auftreten möchte. Durch die ganzen Verzögerungen müssen wir, nach einer Ermahnung des Veranstalters, nach nur fünf gespielten Songs, etwa zwei Drittel unserer vorbereiteten Setlist streichen und die Bühne räumen. Immerhin konnten wir in der kurzen Zeit "Komm doch mit", "Hinter den Städten", "Alles nur geklaut", "Junimond" und "Einsam & Allein" spielen und die tolle Stimmung genießen. Aber wir hätten ohne Zweifel auch gern weitergespielt. Nach unserem Auftritt schlendern wir noch sehr lange, gemeinsam mit meiner Freundin und ihrer Familie, über das Festgelände und kassieren jede Menge Lob von den Leuten. 

Als ich zuhause bin, schreibe ich einen Konzertbericht für die Webseite und unsere nagelneue Facebookseite, bestückt mit Bildern und persönlichen Erinnerungen. Danach fülle ich die Bandkasse mit den Einnahmen des Auftrittes auf. Da ist eine ganze Menge zusammengekommen, nicht zuletzt auch über den erstmaligen Verkauf unserer neuen Merchandise-Produkte, wie z.B. Nadelbuttons und Feuerzeuge mit unserem brandneuen Perlenfischer-Bandlogo, die meine Freundin vor der Bühne unter die Leute gebracht hatte. Der Auftritt hat sich also, in jeglicher Hinsicht, voll und ganz für uns gelohnt.

Das Bandlogo entstand übrigens über eine Aktion, die wir auf unserer Webseite machten. Wir riefen unsere Fans dazu auf, uns Ideen und Vorschläge für ein passendes Perlenfischer-Logo zuzusenden. Anschließend starteten wir ein Voting, in dem die Leute für das schönste Logo abstimmen konnten. Gewonnen hatte diesen Wettbewerb eine Romy aus Chemnitz. Sie passte das Logo dann noch für uns an, also verbesserte es optisch und schmückte es, unseren Wünschen entsprechend, aus. Dafür sind wir ihr sehr dankbar und tragen das Bandlogo seither mit Stolz und Würde auf unseren Shirts und in unseren Herzen.

Mittlerweile ist es Juli und noch immer zehren wir von der tollen Erfahrung in Neustadt, vor so vielen Leuten gespielt zu haben. Aber es ist Zeit, sich für die nächsten Auftritte vorzubereiten. Eine gute Gelegenheit bietet sich dafür zur Feier anlässlich meines 25. Geburtstages. Wir feiern am 8. Juli 2012, mit Familie und Freunden, im Garten meiner Mutter auf der Döbelner Straße und spielen im ersten Teil des Konzertes vierzehn Songs. Darunter befinden sich erstmals auch die zwei neusten Songs von uns: "Paradies" und "Dresden-Blues". In der Pause verzehren wir, bei bestem Sommerwetter, Kuchen und Kaffee und Josephine zaubert ein Quiz mit 15 Fragen aus meinem Leben aus dem Ärmel. Zu gewinnen gibt es lustige Präsente für die teilnehmenden Gäste. Im Anschluss überrascht mich Peter mit einem 15-minütigen Soloauftritt und sorgt mit den Songs "Lebenszeit" von den PUHDYS, "Manchmal aber nur manchmal" von der Band "DIE ÄRZTE", "Geboren um zu leben" von UNHEILIG, "Kling Klang" von KEIMZEIT und "Verdammt ich lieb' Dich" von MATTHIAS REIM nochmals für gute Stimmung und Abwechslung. Als wir danach mit dem zweiten Teil des Perlenfischer-Konzertes starten, reißt mir auf der Gitarre die D-Saite. Fast zeitgleich versetzt ein mörderisches Gewitter unsere Zuhörer in Hektik, sodass wir nur noch vier Lieder unserer Setlist spielen können, bevor die vielen Köstlichkeiten vom Grill und auch unsere Technik vor dem Starkregen gerettet werden muss. Das reichhaltige Abendbrot nehmen wir in der Wohnung meiner Mutter zu uns. 

Nachdem die Gitarre neue Saiten bekommen hat, kann es nun, nur eine Woche nach meiner Geburtstagsfeier, weitergehen. Radio Streamland lud uns am 14. Juli 2012 zum Sommerfest nach Pegau, in der Nähe von Leipzig, ein und hat unsere Band verpflichtet. Also fahren wir gegen 12 Uhr wir mit dem Auto in Dresden los, um am Abend als Vorband von FRANK PROFT aufzutreten. Auf der Autobahn überrascht uns eine gewaltige Gewitterfront, die uns mit ihrem Hagel die Sicht so sehr erschwert, dass wir im Schritttempo über die Autobahn tuckern, um nicht von der Fahrbahn abzukommen. Als wir gegen 14 Uhr an der Location eintreffen, beendet FRANK PROFT gerade seinen Soundcheck und die nächste Gewitterfront zieht über uns hinweg. Alle Anwesenden halten das riesige Partyzelt fest, welches droht mit einer der unzähligen Sturmböen davonzufliegen. Schnell wird versucht die Technik abzudecken, denn die Hagelkörner haben inzwischen die Größe von Kirschkernen erreicht. Erst wenn das Unwetter vorbei ist, können wir unseren Soundcheck machen. Währenddessen startet Mirko, der Inhaber des Radiosenders, schon das Bühnenprogramm mit einem Quiz: Auf einem buntlackierten Trabant 601 sind insgesamt 60 Songtitel der PUHDYS in Form von Bildern versteckt, die es nun gilt zu finden und aufzuschreiben. Drei Mal könnt ihr raten, wer sich nach dem Soundcheck an dem Quiz beteiligt und sogar gewinnt! Richtig! Ich hole mir also stolz meinen Gewinn am Partyzelt ab. Es ist die aktuelle CD und ein Fanshirt von FRANK PROFT sowie die DVD "Ostrock Klassik" und eine handsignierte Autogrammkarte der PUHDYS. Danach hole ich mir noch ein paar leckere Würste vom Grill und nasche vom Kesselgulasch, bis wir schließlich gegen 18.30 Uhr auf die kleine, ebenerdige Bühne inmitten des Innenhofes gebeten werden, um unsere einstündige Show zu beginnen. Das Publikum besteht aus zirka 25 Ostrockfans und heizt uns verbal ordentlich ein. Die 19 Songs unserer Setlist werden mit unserer Genehmigung aufgenommen, um sie später im Radio Streamland als Perlenfischer-Sondersendung spielen zu können. Nach unserem Konzert geht es auf der Bühne, nach einer kurzen Umbaupause,  direkt mit dem Hauptact weiter. Wir sind sehr lange mit dem Verkauf unseres Merchandise und dem Erfüllen der zahlreichen Autogrammwünsche beschäftigt und FRANK PROFT legt eine zweistündige Show hin, die sich wirklich sehen lassen kann. An dieser Stelle möchte ich ihm und seiner Freundin Sandra nochmals für die technische Unterstützung und die konstruktive Kritik danken. Es war für unsere Band ein erfolgreicher Abend, dessen neue Kontakte, in naher Zukunft, sicher noch viele Früchte tragen wird.

Auf unserer Homepage und unserer Webseite sehen wir, dass die Besucherzahlen in die Höhe schnipsen. Es hat sich in Ostrockkreisen herumgesprochen, dass es unsere Band gibt. In diversen Foren werden wir mittlerweile sogar als Geheimtipp für Veranstalter genannt.  Und so dauert es nicht lange und es beginnt die Zeit der ersten Interviews. So stehen wir zum Beispiel mehrfach einem Heidenauer Radiosender und natürlich auch dem Radio Streamland, in seiner Perlenfischer-Sondersendung, Rede und Antwort. Dabei werden wir u.a. nach den schönsten Auftritten gefragt. Das ist aber wirklich schwer zu beantworten. Jeder Auftritt ist einzigartig und unvergesslich und hat so seine Besonderheiten. Manche Auftritte brennen sich aber so tief ins Gedächtnis ein, dass man dazu neigt, immer wieder von ihnen zu erzählen. Ich denke manchmal, dass die Leute, die die Geschichten schon hundert Mal gehört haben, ja irgendwann davon genervt sein müssten, aber bisher hat sich niemand bei mir beschwert. Also werde ich diese Storys zukünftig noch weitere hunderte Male erzählen, zum Beispiel vom Auftritt am 17. August 2012 in Radebeul-Lindenau.

An diesem Tag wird der beschauliche Ortsteil nämlich 725 Jahre alt und wir haben die Ehre, das Dorffest auf dem Sportplatz musikalisch zu eröffnen. Für mich ist es ein historischer Ort, denn am Abend des 24. Oktober 2004 gründete ich genau hier, auf diesem Sportplatz, meine erste eigene Band "Diabolic-Rider". Kein Wunder also, dass ich bei der Ankunft in Radebeul viele bekannte Gesichter von früher wiedersehe. Viele von ihnen habe ich wirklich lange nicht gesehen. Nach ein paar Begrüßungsbierchen mache ich mich auf den Weg zur bereits fertig aufgebauten Bühne. Sie ist mit reichlich hochwertiger Technik und riesigen Gitarrenverstärkern ausgestattet. Der Sound und die Lichtshow mit Bühnennebel wird, dank der hervorragenden Techniker, perfekt auf unsere Musik abgestimmt sein. Beim Soundcheck merke ich schon den Druck der Schallwellen, die meinen Bauch vibrieren lassen und das getrunkene Bier mächtig durchschütteln und eilig in Richtung Blase befördern wird. Ich denke mir: "Hoffentlich ist die Schlange vor dem Dixi-Klo zwischen Soundcheck und Auftritt dann nicht so lang, damit ich nochmal aufs Klo gehen kann." Und es kommt natürlich, wie es kommen musste. Die Schlange vor der Toilette ist meterlang und von weitem winkt meine Mutter und meine Oma, die gerade den Sportplatz betreten und mir viel Erfolg für den Auftritt wünschen wollen. Ich halte noch kurz einen Plausch mit ihnen und verschwinde dann in den Backstage-Bereich, um meine Gitarre zu holen. Den Toilettengang habe ich zu diesem Zeitpunkt vergessen. Ich werde mich aber an ihn erinnern, sobald wir auf der Bühne das erste Lied anstimmen. Kurz gesagt: wenn es zu spät ist und ich meine Blase während des Gitarrenspiels unter Kontrolle halten muss. Ich muss mich zusammenreißen, andernfalls könnte es für mich ziemlich nass und peinlich werden. Auch die Technik wäre mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit hinüber. Pünktlich 19:45 Uhr betreten wir nach einer kurzen Anmoderation die Bühne, die faktisch nur ein LKW-Anhänger ist und für sehr wenig Bewegungsfreiheit auf der Bühne sorgt. In den nächsten 45 Minuten können wir also unter Beweis stellen was wir können und meine Blase, wie viel Geduld sie hat. Wir spielen insgesamt zwölf eigene Songs. Coverversionen sind vom Veranstalter nicht erwünscht, wahrscheinlich um die Zahlung an die GEMA zu vermeiden oder gering zu halten. Egal, die Stimmung ist toll und Peter und ich geben wie immer alles. Wir genießen den Auftritt vor zirka 200 Leuten und würden auch gern noch länger spielen, doch die Bands BAD STUFF, NADA NIENTE und SEDONY wollen natürlich auch noch ihre Show darbieten. Zu manchen von Ihnen werden wir später noch intensiveren Kontakt haben. Wir verlassen also die Bühne und das ist auch gut so, denn ich muss ja nun auch endlich mal meine Blase vom Kampf des ewigen Anhaltens befreien. Das soll mir eine Lehre sein. Nie wieder werde ich vor einem Auftritt den Toilettengang aussparen oder vor mir herschieben.

Am nächsten Tag feiert unsere Band ihr zweijähriges Bestehen im Volume 11. Wir bieten ausgewählten Fans ein zweistündiges Live-Programm mit vielen Überraschungen. Nach einem recht stressigen Soundcheck beginnt um 15 Uhr, nur eine halbe Stunde später, das Konzert, bei dem wir alles spielen werden, was wir bis jetzt können - und noch ein bisschen mehr. Uns ist klar, dass das Publikum zum Jubiläum natürlich nicht nur die bekannten Songs hören will, die wir sonst auch spielen, sondern neues Material auf die Ohren bekommen möchte. Also spielen wir am Ende der ersten Konzerthälfte einen instrumentales Medley, bei dem Peter am Schlagzeug trommelt und ich zur E-Gitarre greife. In diesem Medley sind Songs wie z.B. "Türen öffnen sich zur Stadt" von den PUHDYS, "Smoke on the Water" von DEEP PURPLE, aber auch eigene Songs, wie "Neue Wege", das "Raucherlied" und der "Dresden-Blues" in einer Rockversion enthalten. Nach einer zehnminütigen Pause geht es dann mit dem gewohnten Programm weiter und endet schließlich mit einer zweiten Überraschung. Peter und ich singen, passend zum Bandjubiläum, den PUHDYS-Song "Lebenszeit" im Duett. Die Stimmung ist grandios und das zweistündige Programm kommt uns unsagbar kurz vor. Nach dem Konzert bauen wir den Großteil der Bandtechnik ab und verstauen sie im Auto. Vor der Location wird noch auf Peter's Geburtstag angestoßen, das Konzert mit den Fans ausgewertet, viel geredet und gelacht. 

Von Mitte August bis Ende November 2012 wird es eine Auftrittspause geben, die wir für die Vorbereitungen unseres ersten offiziellen Tonträgers nutzen werden. Wir haben lange gespart und nun soll endlich ein Album mit all unseren Songs in einem Tonstudio produziert werden. 

Durch Zufall lerne ich genau in dieser Zeit, bei einer Autogrammstunde von CITY, eine Hobbyfotografin aus Dresden kennen. Ihr Name ist Cathleen Kramer und wir unterhalten uns ausgiebig über meine Band und ihre Fotos. Zuhause schaue ich mir die Fotos auf ihrer Webseite an und bin sofort begeistert. Ich buche sie für ein Fotoshooting mit meiner Band, um eventuell schöne Bilder für das CD-Cover zu bekommen. Das Ergebnis des Shootings kann sich sehen lassen und so beschließen wir, zukünftig aller zwei Jahre über sie neue Bilder von uns machen zu lassen.

Bisher haben wir unsere Fans, die unbedingt eine CD von uns haben wollten, immer mit selbst gebrannten CD's und selbst gebastelten CD-Cover abgespeist, die meist nur drei bis fünf Titel beinhalteten. Diese Aufnahmen hatten wir einfach im Proberaum mitgeschnitten und mit ein paar Effekten hörbarer gemacht. Dabei hatten wir aber, aufgrund der wirklich miserablen Tonqualität, immer ein schlechtes Gewissen, auch wenn unsere Fans diese CD's immer sehr gern hörten und in den Himmel lobten. Wahrscheinlich war es für sie wichtiger schlechte Qualität zu bekommen, als zuhause gar nichts von uns hören zu können. Doch nun war es an der Zeit, diese ollen CD's einzustampfen und ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen. Unsere Songs und vor allem unsere Fans hatten etwas besseres verdient -  eine professionelle Aufnahme mit ansprechender Tonqualität, die man sich dann auch dauerhaft anhören und ohne schlechtes Gewissen verkaufen kann.

Mit diesem Plan fahren wir im Dezember 2012 in den Dresdner Stadtteil Johannstadt, wo wir uns vor einer absolut baufälligen Ruine mit einem jungen Produzenten namens Nathanael treffen. Das Haus sieht von außen aus, als würde es gleich in sich zusammenfallen. Ein kaputtes Dach, fehlende Wände in den Obergeschossen sowie wachsende Bäume und Büsche auf dem Dach, lassen mich zweifeln, ob wir hier wirklich an unserem Vorhaben arbeiten wollen. Diese Meinung ändert sich aber schnell, als ich die Ruine betrete und das riesige Tonstudio sehe, welches Nathanael dort hinein gezaubert hat. Noch nie zuvor hatte ich ein so gut ausgestattetes und professionelles Studio gesehen. In den kommenden drei Tagen entsteht hier das Perlenfischer-Debütalbum und zugleich das erste professionelle Studioalbum, welches mit meinen eigenen Songs gefüllt sein wird - ein unbeschreibliches und stolzes Gefühl. Ich spiele die 12 Songs auf der Gitarre ein, Peter singt dazu und wertet die Lieder musikalisch mit seiner Mundharmonika auf. Das Schlagzeug imitieren wir mit einem Drum-Computer, weil wir ja noch keinen Schlagzeuger haben. Bassgitarre, Akkordeon und Percussions erzeugen wir mit einem Keyboard. Die Pausen verschönert uns Nathanael mit Kaffee, Tee und tollen Gesprächen. Er erzählt zum Beispiel, dass direkt nach uns die Band STILBRUCH ihr neues Album bei ihm aufnehmen wird. Generell macht Nathanael einen sehr guten Job. Die Arbeit im Studio verläuft völlig entspannt und reibungslos. Zum Schluss bleibt sogar noch Zeit um unseren neusten Song "Acht Wochen" aufzunehmen und mit auf die Platte zu packen.

Zum Heiligabend sendet mir Nathanael alle 13 Songs des Albums, fertig gemixt und gemastert, sodass die CD bereits ab dem 15. Februar 2013 unter dem Titel "Hinter den Städten" im Eigenvertrieb unserer Band erscheint. Sie wird fortan über die Webseite und bei Auftritten verkauft. Natürlich ist so ein Album immer nur eine Momentaufnahme - der aktuelle Stand einer musikalischen Entwicklung. Wenn man als Musiker das fertige Album ein paar Jahre später hört, denkt man oft, dass man da vielleicht noch mehr hätte rausholen können. Aber für damalige Verhältnisse war es, denke ich, schon ganz gut und wir müssen uns keinesfalls dafür schämen.

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende, aber ein Termin steht noch auf dem Plan. Das nunmehr dritte Weihnachtskonzert unserer Band soll am 1. Dezember stattfinden, wieder im Dresdner Volume11. Für die geladenen Besucher haben wir wieder viele Überraschungen vorbereitet. So spielen wir zum Beispiel im ersten Konzertteil den neuen Song "Acht Wochen" erstmals vor einem Publikum und sehen Tränen bei den Zuhörern. Ja dieser Song geht tatsächlich ans Herz, ist aber leider so melancholisch, dass er für ein stimmungsvolles Konzert nicht wirklich geeignet ist. Schließlich sollen die Leute ja bei unseren Konzerten feiern und nicht weinen. Auch ist er mit einer Länge von rund sieben Minuten wirklich zu lang, um ihn weiterhin bei Auftritten zu spielen. Neben zahlreichen bekannten Hits, die wir schon länger live spielen, gibt es am Ende der ersten Hälfte dann nochmal das Instrumental-Medley, mit mir an der E-Gitarre und Peter am Schlagzeug. Die zweite Hälfte, des insgesamt zweieinhalbstündigen Konzertes, eröffnet Peter mit einem Weihnachtssong der PUHDYS: "Glücksstern". Direkt im Anschluss wird  "So große Wünsche" gespielt, wo Peter und ich im Duett singen. Anschließend folgt dann ein bekannter Hit dem anderen, zwischendurch immer mal wieder ein eigener Weihnachtssong. Doch die größte Überraschung wird zum Schluss kommen, denn nach der Bandvorstellung beim KEIMZEIT-Song "So", singt Peter "Weihnachten in Familie" von FRANK SCHÖBEL. Direkt danach stellen wir dem Publikum unseren neuen Schlagzeuger vor und wecken zum Ende des Konzertes einmal mehr die Neugier unserer Fans.

Marcel, ein junger, kleiner und schüchterner Typ mit Gel im Haar meldete sich eines Tages bei uns und wollte als Zweitgitarrist bei uns einsteigen. Peter und ich waren uns damals aber einig, dass wir statt einer zweiten Gitarre, lieber erstmal einen Schlagzeuger einstellen wollten, weil viele Fans schon seit einiger Zeit mehr Abwechslung in unseren Songs und auch auf der Bühne forderten. Obwohl es gar nicht so schlecht klang, was Marcel da auf seiner Klampfe zupfte, sagten wir ihm: "Entweder Du lernst Schlagzeug oder aus uns drei Musikern wird nix." Also setzte sich Marcel, auf unseren Wunsch hin, doch ans Schlagzeug und wollte es wenigstens probieren, auch wenn er an den Trommeln noch nicht so viel Erfahrung hatte. Ein mutiger Schritt von ihm, der meinen größten Respekt verdiente und es ihm ermöglichte, dabei zu sein. Marcel kam dann regelmäßig zur Probe und wir arrangierten unsere Lieder entsprechend um. In dieser Zeit entstand unter anderen auch der Coversong "Alles nur geklaut" von den PRINZEN, in einer ganz eigenen Rockversion. Auch "Weißer Schnee", eine Eigenkomposition von mir, nahmen wir mit Marcel das erste Mal in Angriff. Zwei absolute Rocksongs, mit denen man zukünftig auf der Bühne ordentlich abrocken konnte. 

Doch leider war nicht sehr viel Zeit, um mit Marcel zu proben und so kann er, bei seinem ersten Auftritt mit uns, nur die letzten sechs Songs mitspielen. Als Zugabe wird zu dritt mit Schlagzeug, E-Gitarre und Mundharmonika improvisiert und Marcel feierlich als festes Mitglied in die Band aufgenommen. Ein Abend voller Rückblicke, vorweihnachtlicher Stimmung und auch einem Blick in die Zukunft, geht zu Ende und es wird natürlich auch nach diesem Konzert wieder das Gespräch mit den rund zwanzig Zuschauern gesucht. Viele Fans sind glücklich mit dem neuen Schlagzeuger und sagen, er sei eine Bereicherung für unsere Musik, aber wir sollen noch an unserer Performance arbeiten, die wäre stark verbesserungswürdig. Vor allem Peter würde manchmal ziemlich albern aussehen, wenn er sich bewegt. Und ja, die Fans haben Recht. Immer hatten wir uns bisher nur auf die Musik konzentriert und uns um Auftrittsmöglichkeiten und neue Songs bemüht, die Performance hatten wir tatsächlich nur sekundär auf dem Schirm. Wir wissen, dass wir hart daran arbeiten müssen.

2013 - Der Weg zum Superstar

Ich bin meinem Traum, eine richtige Rockband auf die Beine zu stellen, wieder einen Schritt näher gekommen. Mit einem Schlagzeuger kann ich nun viel öfter zur E-Gitarre greifen und wir als Band wesentlich mehr Druck in den Songs aufbauen, musikalische Akzente setzen und natürlich auch taktvoller spielen. 

Doch es dauert nur ein paar Wochen bis ich feststelle, dass der neue Schlagzeuger unserer Band ein Mensch ist, der am liebsten ganz schnell erfolgreich werden will. Das kann man sicher auch, mit sehr viel Übung, Fleiß und vor allem dem Willen, etwas für den Erfolg zu tun. Meiner Meinung nach fehlt ihm aber genau das. Ich habe oft den Eindruck, dass er nur zu den Proben kommt, um Spaß zu haben. Er bringt sehr selten eigene Ideen mit und bereitet sich zuhause nie auf die nächste Probe vor. Auch zeigt er selten die Ernsthaftigkeit, sich mit unserer Musik auseinanderzusetzen und zu identifizieren. Hinzu kommt, dass Marcel sehr oft unpünktlich ist oder kurzfristig Termine absagt und wir bei jeder Probe, die mit ihm stattfindet, quasi wieder bei Null anfangen müssen. Das beansprucht nach mehrmaligen Vorkommen natürlich unheimlich viel Zeit, die man als Band nicht hat und nervt natürlich auch ganz gewaltig. Ich sage ihm immer wieder, dass der Proberaum sehr viel Geld koste und nicht allein zum Üben für den Einzelnen stattfinden könne. In den Bandproben müsse das Miteinander geübt werden, musikalische Feinheiten besprochen und Übergänge und Abläufe abgestimmt und geprobt werden, für mehr ist einfach keine Zeit. Sein Instrument und seine Parts müsse dann aber jeder für sich allein lernen, anders würde eine Band nicht funktionieren. Marcel hört sich meine Standpauken sehr oft geduldig an und nickt freundlich und verständnisvoll, ändert sein Verhalten allerdings nie. Ich werde immer unglücklicher mit ihm und bin mir sicher, dass das so wohl nicht lange gut gehen wird. Peter und ich werden ihn aber vorerst nicht rausschmeißen und spielen dieses Spiel noch eine ganze Weile mit. Wir wissen ja zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass Marcel schon bald ganz andere Pläne haben wird.

Im Frühjahr 2013 bringt Marcel einen älteren Herrn mit in den Proberaum. Dieser stellt sich Peter und mir als Manager und Produzent vor. Er sagt, er hätte schon für sehr bekannte Künstler in einer der größten deutschen Plattenfirmen gearbeitet. Als ich ihn allerdings frage, für welches Unternehmen und welche Künstler er bisher tätig war, kann er mir keine glaubhafte Angabe machen. Er weicht gekonnt meinen Fragen aus, was ihn mir gegenüber direkt unsympathisch macht. Der ominöse Typ interessiert sich wohl sehr für das, was wir machen, sagt er. Er will am liebsten sofort alle Songs auf einmal hören. Doch auf mich wirkt dieser Mann, mit den schiefen Zähnen und der pinken Armbanduhr aus einem Kaugummiautomaten, sehr dubios. Ich mute mir, bezüglich solcher Situationen, sehr wohl schon eine gewisse Menschenkenntnis zu, die sich wenige Minuten später auch schon bestätigen soll. 

Ich spreche ihn auf die Band SILLY an, die ja bei seinem angeblich letzten Arbeitgeber einen Plattenvertrag hat und mit ihrem Album "Kopf an Kopf" im Moment die deutsche Chartspitze erklommen hat. Nun fängt er an, nervös herumzustottern und sich immer mehr in gefährliches Unwissen zu verstricken. Schließlich steht er direkt vor Peter und mir - zwei waschechten und jahrelangen Ostrockfans. "Der Apfeltraum" wäre von den PUHDYS, "Alt wie ein Baum" von RENFT und "Über sieben Brücken" hätte KARAT bei PETER MAFFAY geklaut. Zu guter Letzt streitet er sich mit mir rum, dass Tamara Danz nie die Sängerin bei SILLY gewesen wäre, weil bei SILLY schon immer ein Mann am Mikrofon stünde. In diesem Moment steht für mich fest, dass uns dieser Kerl nie produzieren, geschweige denn managen oder groß rausbringen würde oder könnte. Er weiß einfach überhaupt nichts über die Musikrichtung, die wir unserem Publikum präsentieren.

Aber Marcel ist absolut überzeugt davon, dass dieser Hochstapler unser Mann sei. Der Scheinmanager verspricht uns sogar einen Auftritt bei einem Festival, bei dem wir vor sechstausend Leuten spielen würden. Als wir ihn fragen, wo diese Veranstaltung stattfinden soll, weicht er uns wieder gekonnt aus, um uns mit einer neuen Idee zu überzeugen: "Und wenn ihr hundert Euro in Vorkasse geht, dann mach ich Euch das Ding klar und ihr bekommt gleich noch eine einstündige Radio- und Fernsehsendung bei einem renommierten Sender dazu." Schmieriger geht es nicht. Ich habe jetzt genug gehört und sage ihm: "Ich zahle doch kein Geld, um irgendwo spielen zu dürfen. Das ist absolut verkehrte Welt!" Ich sage ihm außerdem, er solle doch bei der nächsten Probe mal einen Gastspielvertrag vorbeibringen, den dann unsere Rechtsanwälte prüfen würden. Plötzlich will er, dass wir ganz schnell anfangen unsere Songs zu spielen, weil er plötzlich noch einen ach so wichtigen Termin hätte. Überrascht von der plötzlichen Hektik spielen wir ihm etwas widerwillig den "Dresden-Blues", "Alles nur geklaut" und den "Apfeltraum" vor. Dabei dreht sich der "Spezialist" zur Wand, um die Musik "noch intensiver aufzusaugen", wie er später zugibt. Ich bastele bei den drei Songs mit voller Absicht, extrem böse klingende, Verspieler ein, nur um zu testen, wie gut sein Gehör wirklich ist und siehe da, kein einziger Fehler fällt ihm auf. Für mich ist er nun als ein Betrüger, als ein Nichtskönner und als, ach was weiß ich noch alles, entlarvt. Aber definitiv ist er kein Produzent mit Berufserfahrung, das hat er nun mehrfach, zweifelslos und ausreichend unter Beweis gestellt. Peter kann ich in einer ruhigen Minute auch davon überzeugen, dass wir lieber die Finger von diesem Kerl lassen sollten. Marcel aber bleibt bei seiner Meinung, dass uns der Typ "ganz riesig fett groß" raus bringen wird.

Wie ich zu Hause bin, falle ich aus allen Wolken, als ich meine Emails lese. Der angebliche Manager schreibt doch tatsächlich, dass ab sofort nur noch er bestimme, was in unserer Band gemacht wird, welche Songs wir von nun an spielen und wann, wo und wie wir irgendwo auftreten werden. Zudem verweist er mich noch auf seine Internetseite, auf der man seine Referenzen nochmals nachlesen könne. Ich besuche voller Interesse diese Seite und stelle fest, dass außer zwei 13-jährigen Mädels, die gelangweilt auf einem Hocker, in einem völlig veralteten Tonstudio, sitzen, keine weiteren Referenzen zu finden sind. Die Seite wirkt sehr einfach, mit einem Homepagebaukasten in wenigen Minuten, zusammengestellt. Ich finde kein Impressum, keine Kontaktdaten und auch sonst keine Informationen zu ihm als Person. Also antworte ich auf seine absurde Nachricht, dass wir an keinerlei Zusammenarbeit mit ihm interessiert sind, keinen Vertrag bei ihm unterschrieben haben oder jemals unterschreiben werden und er seine ach so tollen Auftritte gern allein absolvieren könne. Ich schreibe außerdem, solle er nochmals mit uns in Kontakt treten, würde es rechtliche Konsequenzen für ihn haben. 

Für Peter und mich war diese Sache nun endgültig vom Tisch. Uns wird dieser Supermanager nicht um den Finger wickeln. Allen anderen befreundeten Musikerkollegen, denen ich diese Story erzähle, schüttelten nur mit dem Kopf und nennen ihn einen "Spinner", "Hochstapler" und "Verbrecher". Sie sind der gleichen Meinung wie ich und hätten genauso reagiert. Marcel dagegen fliegt voll auf die Masche rein. Nur ein paar Tage später schreibt er mir eine SMS, dass er sofort aus der Perlenfischer-Band aussteigen möchte, um eine Solokarriere zu starten und wir nicht mehr mit ihm rechnen sollen. Sofort ist mir klar, wer hinter dieser ganzen Sache stecken muss. Ich schreibe also unserem Drummer, er solle nochmal zur nächsten Probe kommen und mit uns persönlich reden. Darauf antwortet er allerdings nur: "Das verbietet mir mein Manager." Ich denke mir noch: Okay, Marcel möchte voll auf die Schnauze fliegen und sich nicht davon abbringen lassen, dann rede ich jetzt mit Peter und wir lassen ihn ziehen, wo auch immer er hin möchte." Peter sagt mir am Telefon: "Wahrscheinlich wird Marcel irgendwann wieder bei uns anklopfen, wenn er merkt, auf welchen Blödsinn er sich da eingelassen hat." Ich gebe ihm Recht und schreibe Marcel, dass, wenn er jetzt die Band verließe, nie wieder zurückkommen könne. Und so geben wir, nach nur drei Monaten und einem gemeinsamen Auftritt mit Marcel, seinen sofortigen Austritt aus der Band bekannt.

Natürlich interessiert es uns danach, ob Marcel mit diesem Manager tatsächlich erfolgreich werden kann. Wir verfolgen über Facebook, was er solistisch so anstellt. Einen Auftritt hat Marcel wohl mal in einer Kirche gehabt. Das Konzert war allerdings sehr schlecht besucht. Das sah man auf den Fotos und so bewahrheitet sich schon bald Peters Vermutung: Marcel schreibt uns kurz nach seinem Soloauftritt an, ob wir noch einen Schlagzeuger bräuchten, dass man diesen Typen von Manager ja absolut in die Tonne treten könne, er sehr viel Geld verloren hätte und nun zu uns zurück wolle. Nach einem kurzen Telefonat mit Peter steht fest: Marcel hatte seine Chance vor dem Ausstieg, mit uns zu reden. Er nahm sie nicht wahr und bekommt somit auch keine zweite Chance in unserer Band. Ich sage ihm daraufhin freundlich ab und wünsche ihm alles Gute für seine musikalische Zukunft. Einige Monate später folgt noch eine weitere Anfrage von ihm, die wir abermals ablehnen. Das restliche Jahr werden wir die anstehenden Auftritte unserer Band also wieder zu zweit absolvieren.

Ein paar Jahre später sehen wir dann Marcel im Fernsehen wieder. Er hat sich bei der RTL-Sendung "Deutschland sucht den Superstar" beworben und es bis zum ersten Recall geschafft. Gesanglich klingt es recht gut, aber ich bin immer noch davon überzeugt, dass er für dieses Business einfach nicht gemacht ist. Er ist zu leichtgläubig und viel zu naiv. Wer weiß, vielleicht täusche ich mich auch und man sieht ihn irgendwann als Superstar durch die Landen tingeln, auch das wäre für mich absolut okay, würde aber an meiner ganz persönlichen Meinung zu ihm wahrscheinlich auch nichts ändern.

Es ist an der Zeit, sich wieder um realistischere Dingen zu widmen und sie ganz real umzusetzen, auch ohne großartigen Manager. 

Im Frühjahr 2013 arbeite ich weiter an meinem Flutsong, den ich bereits 2002 angefangen hatte zu schreiben. Ein Song für die zahlreichen Helfer, die beim Jahrhunderthochwasser selbstlos mit angepackt haben und etliche Haushalte und Einrichtungen vor noch größerem Schaden bewahrt haben. Seit 2002 bastelte ich immer wieder am Text und der Melodie zu diesem Song, war aber mit dem Ergebnis selbst nie wirklich zufrieden. Nun, wo sich in Dresden die zweite große Flut ankündigt, will ich den Song aber endlich fertig bekommen. Ich setze mich mit Andreas Bosin, dem Produzenten der Band SEDONY in Verbindung und frage ihn, ob er mir bei meinem Problem mit diesem Lied helfen könne. Da er als Bassist mit seiner eigenen Band NADA NIENTE schon oft mit uns gemeinsam auf der Bühne stand, kennen wir uns recht gut. Andreas lädt mich prompt in sein Homestudio ein, um mir bei meinem Flutsong etwas unter die Arme zu greifen und ihn auch gleich final aufzunehmen. 

Bei der Vorbesprechung zur Produktion lerne ich, wenige Tage später, den Songwriter und Frontmann der Band SEDONY persönlich kennen. Er hört auf den Namen Hannes Tuchel und trat als Headliner beim Lindenauer Dorffest auf, bei dem die Perlenfischer-Band als Opener spielte. Ich hatte schon viel Gutes von Hannes gehört und so ist an diesem Tag im April eine Zusammenarbeit entstanden, an die ich mich noch immer sehr gern erinnere, weil sie einen weiteren Meilenstein in meinem Leben als Musiker darstellt. Als ich das kleine Studio betrete, sitzt Hannes am Keyboard und klimpert zum Spaß einfach drauf los. Er spielt "Nothing Else Matters" von METALLICA und "Als ich fortging" von DIRK MICHAELIS in einer unsagbaren Perfektion, dass mir für einen Moment der Atem wegbleibt. Hannes ist ohne Zweifel ein Multitalent. Er spielt außerdem Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Bass und vieles mehr. Seine Stimme klingt herzerwärmend und gefühlvoll, sodass man ihm einfach gern zuhört. Nach der Besprechung mache ich mich auf den Heimweg und weiß, dass hier etwas Grandioses entstehen wird.

Einige Wochen später fahren Peter und ich erneut nach Radebeul zu Hannes und Andi, um dem Song seinen letzten Feinschliff zu verpassen. Der Text und die Melodie wurden von den beiden bereits komplett umgemodelt. Wenn man sich heute unseren ersten Proberaummitschnitt des Songs anhört und danach diese neue Version, könnte man denken, es handle sich um zwei völlig verschiedene Lieder. Einfach unglaublich, was daraus geworden ist! Wir nehmen den Flutsong direkt vor Ort auf und geben ihm den Titel "Wir danken Euch". 

Auch wenn ich mich hier wiederhole: Hannes ist ein Profi, nicht nur im Songwriting. Er spielt für unseren Song "Wir danken Euch" den Bass, das Schlagzeug, die Keyboards und das Gitarrensolo ein, ohne das Alles irgendwie vorher üben zu müssen. Das, was man später auf der CD hören wird, ist der erste Versuch von ihm, den wir direkt so übernehmen, weil es zum Moment der Aufnahme, kaum besser vorstellbar ist. Wir beschließen, eine limitiere Single zu veröffentlichen, die auch den Namen des Flutsongs trägt. "Wir danken Euch" erscheint mit einer zusätzlichen Instrumentalversion des Songs am 29. November 2013 im Eigenvertrieb unserer Band, nur neun Monate nach dem Debütalbum "Hinter den Städten". Ich bin fest davon überzeugt, dass es in der nächsten Zeit öfter eine Zusammenarbeit mit Hannes, oder auch Andreas geben wird. So wird mich Hannes zum Beispiel ein paar Jahre später fragen, ob ich für sein nächstes Album passende Songtexte beisteuern könnte. Ich muss nicht lange überlegen um zuzusagen und so tragen heute einige Songs von ihm meine Texte in die weite Welt hinaus. 

Am liebsten würde ich Hannes und Andi direkt in unsere Band aufnehmen, um nicht länger mit Peter allein von Bühne zu Bühne zu tingeln. Als Duo ist man musikalisch ja doch sehr in seiner Kreativität eingeschränkt. Es fehlt, auf die Dauer gesehen, ein Schlagzeuger, ein Bassist und an musikalischer Abwechslung. Hannes und Andi sind allerdings in ihren eigenen Projekten so stark eingespannt, dass sie schlicht und ergreifend keine Zeit haben, in der Perlenfischer-Band fest einzusteigen. Schade, aber es muss auch ohne sie gehen.

Im Sommer 2013 stehen dann wieder ein paar Konzerte an. Mit einem 90-minütigem Auftritt, anlässlich der "Fete de la Musique", startet am 20. Juni 2013 unsere diesjährige Konzertsaison - zwar etwas später als sonst, aber egal. Die Bandtechnik wird einen Tag vorher auf Herz und Nieren geprüft, damit beim Konzert am Freitag dann auch alles reibungslos klappt. Schließlich stand die Gesangsanlage und der Gitarrenverstärker, durch die Zeit im Studio, nun fast ein halbes Jahr still. Am frühen Nachmittag wird der ganze Kram im Auto unseres Roadies Kalle verstaut. Als wir gegen 15 Uhr in der Location eintreffen, wird gerade noch die Bühne fertig aufgebaut. Wir vertreiben uns derweil die Zeit am Catering des Dresdner Wächtergartens. Doch dort gibt es zu unserem Entsetzen nur veganes Essen, Kräutertee und Rotwein. Das ist für viele Künstler, die dort mit uns auftreten, sicher köstlich, aber für Kalle, Peter und mich, als Liebhaber von richtigen Fleischwaren, ein echtes Problem. Auch an Kräutertee und Rotwein kommen wir geschmacklich nur selten heran. Ich probiere zwar kurz vor dem Soundcheck den veganen Kuchen, entschließe mich dann aber doch lieber auf den Weg zum nächstgelegenen Supermarkt zu machen, um mir eine Großpackung Buletten und ein Sixpack Bier zu organisieren. So muss ich an diesem lauen Sommerabend wenigstens nicht hungern oder verdursten und kann mich satt und zufrieden auf meinen Auftritt konzentrieren. Nach unserem Technikaufbau und kurzem Soundcheck startet unser Live-Programm bei strahlendblauen Himmel und angenehmer Temperatur. Optimale Bedingungen für ein Openair. Während des Konzertes füllt sich dann allmählich auch der Hof des Wächtergartens und die nächste Band steht unlängst in den Startlöchern. Leider können wir aus zeitlichen Verschiebungen und den Anweisungen des Veranstalters nicht alle Lieder unserer Setlist spielen und müssen unser Programm um ganze vier Lieder kürzen. Bei dem Song "Apfeltraum" reißt mir dann auch noch eine Saite und so spielen wir den letzten Song nur noch unplugged mit meiner Ersatzgitarre, die leider keinen Kabelanschluss hat. Auch Peters Mikroständer hatte sich in diesem Lied selbstständig gemacht. Es kommt uns so vor, als würde die Technik sich rächen wollen, dass wir nun gleich widerwillig von der Bühne herunter müssen. Live ist eben live. Dennoch haben wir jede Menge Spaß und durch unseren Techniker auch durchgängig einen perfekten Sound. Im Anschluss verkaufen wir dem Publikum diverses Merchandise und schauen der zweiten Band beim Aufbau zu. Völlig überraschend werden wir gebeten, mit der zweiten Band nochmal auf die Bühne zu gehen um eine Zugabe zu spielen. Gesagt, getan. Wir spielen "An den Ufern der Nacht" und anschließend den "Dresden-Blues" als Longversion. Dabei werden wir tatkräftig vom Schlagzeuger, Gitarristen und Saxofonisten der Gruppe BS19 unterstützt. Bevor wir die Veranstaltung verlassen, lauschen wir dieser Band noch ca. eine halbe Stunde. 

Der nächste Auftritt wird am 5. Juli 2013 im Rahmen des "Hofspektakels" der Adolph-Kolping-Berufsschule stattfinden. Dieser Tag beginnt so früh wie noch nie für unsere Band. Bereits 6 Uhr morgens trifft Peter zum ersten Kaffee in meiner Wohnung ein, denn wir sollen schon um 7.30 Uhr an der Location sein. 

Als wir pünktlich auf dem Schulhof ankommen, erwartet uns bereits der Veranstalter und begrüßt uns herzlichst. Bei einem gemeinsamen Frühstück besprechen wir die letzten Details mit den Programmverantwortlichen und  beobachten den Technikaufbau auf der Holzbühne, auf der wir ab zirka 9.30 Uhr auftreten sollen. Wir sind Teil eines kunterbunten Bühnenprogramms. Nach einem Literaturwettbewerb, einer musikalischen Darbietung eines mir unbekannten Rappers, einem Auftritt einer jungen Frau mit Blockflöte und der hauseigenen Schulband RED GROOVE wird es dann einen zweiten Auftritt von uns geben. Zusammen mit Jörg und Adam am Schlagzeug und Sandra als Backgroundsängerin, alles Musiker der Schulband, werden wir ungeprobt den "Dresden-Blues", "Marmorstein und Eisen bricht" sowie den Song "Junimond" performen. Den rund zweihundert Zuschauer gefällt es und wir genießen es, in einer so großen Formation zu spielen. Als das Schulfest dann gegen 13 Uhr endet, unterhalten wir uns noch sehr lang mit den Musikern im Backstage-Bereich, während auf dem Schulhof beim Bühnenabbau unser Album "Hinter den Städten" abgespielt wurde. Wir werden gefragt, ob wir im kommenden Jahr wieder dabei sein möchten und sagen zu.

Eine Zusage hat von uns außerdem das Wohnheim für geistig- und körperlich behinderte Kinder der AWO, auf der Fischhausstraße in Dresden, bekommen. Diese Einrichtung ist keine fünf Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt, was für ein Luxus. Am 12. Juli 2013 spielen wir zwölf Songs vor unsagbar dankbaren Kinder und deren Betreuer. Ein kleines Mädchen zeigt uns vor unserem Auftritt stolz ihr Schulzeugnis und erzählt uns viel über den Alltag in diesem Heim, direkt am Rand der Dresdner Heide. Manche Bewohner sind aber zum Teil komplett gelähmt und können sich nicht so schnell bewegen wie sie. Trotzdem sieht man ihnen allesamt an, dass die Musik etwas in ihnen auslöst. Ihre Freude ist so intensiv, dass sie trotz ihrer Lähmung in der Lage sind, eine Reaktion auf die Musik zu zeigen. Sie fangen an, in ihren Rollstühlen zu wippen, versuchen mitzusingen und man kann ein leichtes Lächeln erahnen. Es ist unsagbar ergreifend, das erleben zu dürfen und berührt mich sehr, auch noch viele Tage nach dem Auftritt. Neben den ganzen emotionalen Momenten kämpfe ich bei diesem Auftritt aber auch noch mit den Nachwehen vom Zahnarzt, denn ich war am Vormittag noch bei einer Operation und mein Mund war bis zum Ende des Soundchecks gänzlich betäubt. Zusätzlich plagt mich eine Sehnenscheidenentzündung in der linken Hand und ein leichter Magen-Darm-Infekt, der mich aber natürlich nicht davon abhält, den Auftritt durchzuziehen. Abhalten wird uns letztlich allerdings die gerissene Gitarrensaite nach dem vierten Lied. Wir müssen abbrechen, um neue Saiten aufzuziehen, wie peinlich! Für uns springt ein Zauberer ein, der eigentlich erst nach uns dran sein sollte. Nach seiner 45-minütigen Show, machen wir uns bereit, um unser Programm fortzuführen. Vorher wird noch ganz offiziell der neue Kletterberg für die Heimbewohner eröffnet. Gegen 18.30 Uhr beenden wir das Programm schließlich, damit die Besucher des Sommerfestes und die Bewohner der Einrichtung, am Grill ihr Abendbrot zu sich nehmen können. 

Uns bleibt, durch die anschließende Urlaubszeit, nur sehr wenig Zeit zum zum Üben für die nächste Mugge. Und doch werden wir, mit einem recht sicheren Gefühl, am 10. August im Kunsthof Mockethal in Pirna auftreten können.

Schon während der Fahrt dorthin entdecken wir ein riesiges Veranstaltungsplakat mit unserem Logo, was uns durch seine Größe mächtig zum Staunen bringt.  Gegen 13.30 Uhr treffen wir schließlich an der Location ein, um uns mit der dörflichen Umgebung, am Rande der Stadt Pirna, vertraut zu machen. Wir laden unsere Technik aus dem Auto und genießen das wunderbare Wetter des Nachmittags. Dabei unterhalten wir uns mit DJ FRANK, der gerade dabei ist, seine Technik aufzubauen, um später die Leute mit Hits aus vier Jahrzehnten zu beschallen. Anschließend helfen wir den anwesenden Technikern beim Bühnenaufbau und machen einen kurzen Soundcheck. Direkt im Anschluss kommt die Band "LUC STARGAZER" zum Soundcheck und es gibt von den Dorfbewohnern die ersten Beschwerden wegen der Lautstärke, die man doch auf ein Minimum reduzieren solle. Die Zeit bis zum Auftritt nutzen wir für Gespräche mit den anderen Künstlern und für ein Kennenlernen mit den Damen und Herren vom Q24 Pirna, für die dieses heutige Benefizkonzert stattfinden soll. Das Q24 ist eine angesagte - und von vielen Bands sehr gern gebuchte - Location in Pirna, die aufgrund des Hochwassers sehr großen Schaden genommen hat und nun durch dieses Konzert eine möglichst hohe Geldsumme für die Schadensbehebung erhalten soll. 

Pünktlich 19 Uhr betreten wir als erste Band die Bühne, um den ca. 150 Besuchern unser anderthalbstündiges Live-Programm darzubieten. Ein warmer Sommerregen soll bei den ersten fünf Liedern unser ständiger Begleiter sein. Das stört uns aber nicht, denn wir haben als Besonderheit an diesem Abend zwei neue Songs im Gepäck, die wir erstmals live spielen und uns den Regen vergessen lassen: "Wir danken Euch" und "Nur ein Traum". Nach uns spielt JOE'S DADDY zahlreiche eigene Songs und covert viele  Songs, unter anderem von GERHARD GUNDERMANN. Direkt im Anschluss rockt die Indie-Rockband LUC STARGAZER den letzten Akt des Konzertes. Wir feiern zusammen bis tief in die Nacht mit unserer neuen Komplizin Selina, die sich bereit erklärt, Fotos von unserem Auftritt zu machen und erstmals auch als meine neue Backlinerin zur Verfügung zu stehen. Auch Ringo ist dabei, ein langjähriger Freund von Peter, der unseren Auftritt filmt und ebenfalls Fotos von uns schießt. Nicht vergessen darf man an dieser Stelle aber Peters Vater, der den ganzen Tag mit dem Auto auf Achse ist, um uns von A nach B und wieder zurück zu transportieren. 

Weiter geht es für Peter und mich am 5. September 2013 mit einem Besuch beim PUHDYS-Fantreffen in Spreenhagen, im Herzen von Brandenburg. Pünktlich um 12 Uhr treffen wir uns mit DJ ZOPF und seinem Kumpel Thomas, die sich bereiterklärten uns zu chauffieren, denn weder Peter noch ich haben einen Führerschein, geschweige denn ein Fahrzeug für unsere Band. Die Chauffeure sind echt zwei dufte Typen, die uns mit jeder Menge Humor und flotten Sprüchen die knapp zweistündige Fahrt sehr versüßen. Als wir ankommen, beziehen wir unser Quartier in einer Jugendherberge im Ortsteil Braunsdorf, wo schon unzählige Fans der PUHDYS vor uns eingecheckt haben. Anschließend begrüßen wir den Gastgeber Ulli und seine Frau Kerstin, die dieses besondere Fest aller zwei Jahre in ihrem Garten ausrichten. Wir sehen uns, gemeinsam mit ihnen, den PUHDYS-Trödelmarkt an und beteiligen uns an einer Fotoaktion für die Deutsche Krebsstiftung. Generell werden dort viele Aktionen gestartet, um Geld für den guten Zweck zu sammeln und wer uns kennt weiß, dass wir immer für Charity-Aktionen zu haben sind. Auch gibt es ein Wiedersehen mit unzähligen Fans, die wir schon oft bei den Konzerten der PUHDYS gesehen haben, so auch mit Romy aus Chemnitz, die unser Bandlogo entwarf. Wir können sie überreden, mit uns ein paar Schnappschüsse an ihrem sehr außergewöhnlichen PUHDYS-Trabant zu machen, bevor wir uns an der Gulaschkanone die Bäuche füllen und ein paar Bierchen trinken. Ab 17.30 Uhr trafen dann nach und nach auch die Mitglieder der PUHDYS beim Fantreffen ein. Erst Klaus Scharfschwerdt, dann Dieter "Quaster" Hertrampf, Dieter "Maschine" Birr, Peter "Eingehängt" Meyer und, last but not least, Peter "Bimbo" Rasym. Wir haben das erste Mal die Gelegenheit unseren Idolen ganz nah zu sein, mit ihnen zu sprechen und Erinnerungsfotos zu machen. Auf der Bühne rockt derweil die ACDC-Coverband DR. KINSKI und bringt dem Publikum, von ca. 150 Leuten, nicht nur das Luftgitarre spielen, sondern auch das Tanzen bei. Doch nach diesem Konzert ist der Abend noch lange nicht vorbei. Ehrlich gesagt, beginnt er für unsere Band erst so richtig. Ich packe im Partyzelt meine Gitarre aus und es werden unplugged einige Songs, wie zum Beispiel das "Gänselieschen" von RENFT, "Es war schön" von den PUHDYS und der neue Perlenfischer-Song "Jeden Tag", geschmettert. Anschließend ziehen Peter und ich mit Gesang und Melodie weiter zum Lagerfeuer und spielen dort weiter. Gegen 1 Uhr verlassen wir die Gartenparty und machen uns auf den Weg zur Jugendherberge, wo wir ebenfalls noch ein paar alte und auch brandneue Titel spielen. Bis kurz vor 4 Uhr werden wir noch gemütlich beisammen sitzen. Völlig unterkühlt und müde verschwinde ich dann aber gegen 4.30 Uhr auf mein Zimmer, dass ich mir mit Peter teile. Es soll eine kurze Nacht sein, denn pünktlich 7.30 Uhr weckt mich das zarte Geräusch eines Rasenmähers und so begebe ich mich völlig übermüdet und mit einem leichte Kater wieder in den Garten von Ulli und Kerstin, um ausgiebig zu frühstücken. Gegen 11.30 Uhr treten Peter und ich, zusammen mit DJ Zopf und seinem Kumpel, den Heimweg nach Dresden an. 

Das letzte Konzert in diesem Jahr wird das, mittlerweile traditionelle, und nunmehr dritte Weihnachtskonzert unserer Band, am 7. Dezember 2013 im Dresdner Volume11 sein. Dreieinhalb Stunden Show wird die Veranstaltung dauern, für die wir fast ein halbes Jahr intensiv geprobt haben. 

Um 16 Uhr ist Konzertbeginn und wir beginnen mit achtzehn Liedern den ersten Konzertteil, darunter der Song "Geboren um zu leben" von UNHEILIG, als Gesangsduett mit Peter und mir und der PUHDYS-Titel "Glücksstern", der sehr gefühlvoll von Peter gesungen wird. Auch zwei neue eigene Songs mit dem Titel "Winterzeit" und "Wo Du auch bist" erleben ihre Uraufführung. Zwischendurch wird das Publikum durch unseren Special Guest überrascht: MIMEMARIO präsentiert pantomimisch seine Sketche "Das Geschenk", "Duschen", "Die Rose" und "Die drei Weisen aus dem Morgenland". Sein Auftritt ist ein voller Erfolg und sorgt für reichlich Abwechslung beim Publikum, welches seine Begeisterung in minutenlangem Applaus ausdrückt. Nach einer fünfzehn-minütigen Pause präsentieren wir im zweiten Konzertteil die restlichen einundzwanzig Songs unseres gesamten Repertoires. Darunter befindet sich nochmals ein neuer Song von uns, der den Titel "Ich bin da" trägt. Bei diesem Song begleitet mich meine Backlinerin Selina am Keyboard. Es soll aber der einzige Auftritt von ihr in unserer Band bleiben. Die Stimmung ist grandios und so geht kurz vor 20 Uhr ein tolles und ebenso unvergessliches Konzert und Jahr zu ende. 

2014

Das neue Jahr beginnt, wie das alte Jahr endet - mit einem Auftritt von uns. 

André aus Riesa, ein Perlenfischer-Fan der ersten Stunde, hatte sich schon seit längerem gewünscht, dass wir mal bei ihm vorbeischauen, um für ihn zu musizieren. Doch immer wenn er fragte und uns Terminvorschläge zuschickte, waren wir irgendwie anders verplant. Am 11. Januar 2014 soll es nun aber endlich klappen, dass wir seinen großen Wunsch erfüllen. Einen Tag zuvor besuchen Peter und ich ein Konzert der PUHDYS in der Riesaer Erdgas-Arena und da liegt die Lösung ja förmlich auf der Hand: Wir gehen zum Konzert und übernachten dann bei André - so können wir am nächsten Morgen für ihn spielen und müssen nicht mitten in der Nacht zum letzten Zug nach Dresden hetzen.

Gesagt, getan. Etwas verkatert und total übermüdet wachen wir am nächsten Morgen in der verrauchten Wohnung von André auf, es riecht nach Gras. Nach einem starken Kaffee bietet uns André an, in seinem kleinen Homestudio auf der Wismarer Straße aufzunehmen. Kurzerhand wird aus dem anfänglich geplantem Wohnzimmerkonzert eine Studiosession. Die dort entstandenen Aufnahmen sind von ihrer Qualität aber so schlecht, dass wir sie schnell verwerfen. Am Ende spielen wir, sitzend am Wohnzimmertisch, dennoch ein paar Songs unserer vorbereiteten Setlist für ihn. Dieser Besuch wird uns wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben, denn es ist und bleibt der einzige Tag unserer Bandgeschichte, an dem wir mehr oder wenig freiwillig Sternburg-Bier trinken. 

Im Proberaum bevorzugen wir eher unser Lieblingsbier. Peter trinkt gern Hasseröder und Feldschlösschen und ich am liebsten Radler oder Cola-Bier, manchmal auch einen Whiskey-Cola der Marke Jack Daniels. Natürlich darf es mit dem Alkohol nie so übertrieben werden, dass wir am Ende des Tages oder der Probe nichts geschafft haben. Damit haben Peter und ich aber eigentlich nie ein Problem. Wahrscheinlich sind wir viel zu motiviert, als das wir uns im Proberaum betrinken könnten.

Als wir den restlichen Januar wieder für anstehende Auftritte proben, kommt Nils auf uns zu und meint, dass der Mitteldeutsche Rundfunk einen Filmbeitrag über sein Volume 11 machen möchte. Dieses Filmchen würde dann in der alltäglichen Sendung "Sachsenspiegel" ausgestrahlt werden. Er fragt, ob wir uns als Band für ein paar Fragen zur Verfügung stellen würden. Wir sagen zu. Als der MDR dann zu uns in den Proberaum kommt und uns zum Leben in unserem Proberaum interviewt, sollen wir zwei Songs vor laufender Kamera spielen. Wir spielen den "Dresden-Blues" und "Alles nur geklaut". Im fertigen Beitrag, der am gleichen Abend ausgestrahlt wird, ist aber leider nur ein winziger Ausschnitt des zweiten Songs und keine einzige Antwort des Interviews zu sehen. Damit hatten wir schon gerechnet. Nicht weil wir schlechte Antworten gegeben hätten, sondern weil die Beiträge im "Sachsenspiegel" generell sehr kurz sind und ja neben uns auch andere Band interviewt wurden.

Ein paar Tage später lese ich in der mit den vier großen Buchstaben, dass ein großer Fan der PUHDYS wohl ziemliches Pech hatte. 

Er war seit einiger Zeit an einen elektrischen Rollstuhl gefesselt, weil er aufgrund eines Unfalls nicht mehr allein laufen konnte. Eines Nachts zerstörten nun Jugendliche seinen Rollstuhl, der direkt vor seinem Haus stand. Für ihn hieß das, dass er fortan ohne fremde Hilfe sein Haus nicht mehr verlassen konnte und die banalsten Dinge, wie einen kleinen Einkauf im Supermarkt, oder einfach nur eine Spazierfahrt an der frischen Luft, nicht mehr selbstständig durchführen konnte. Der Fanclub der PUHDYS startete sofort eine Spendenaktion, damit er schnell wieder einen neuen fahrbaren Untersatz bekommt. Auch die PUHDYS selbst beteiligten sich finanziell an dieser Aktion und somit wurde dieses Thema schnell zum Nachrichtenfüller in den regionalen Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen. 

Ich bin geschockt als ich den Artikel lese und will auch gern irgendwie helfen, aber auf meine eigene Art und Weise. Ich schreibe dem 50-jährigem Frank K. aus Freital über Facebook, dass wir sehr bedauern, was mit seinem Rollstuhl passiert ist und er deswegen nun auf ein Konzert der PUHDYS verzichten muss. Ich schreibe: "Wenn Du nicht zu den PUHDYS kannst, bringen wir eben die Musik der PUHDYS zu Dir." Wir organisieren ein Benefizkonzert in seiner Freitaler Wohnung auf der Dresdner Straße und spielen am 26. Januar ein Unplugged-Konzert, welches vorwiegend aus Titeln der PUHDYS besteht. Frank hat dazu all seine Freunde und Nachbarn eingeladen. Nach einem sehr herzlichen Empfang durch den Gastgeber gibt es einen Kaffee und es wird viel geredet,  bevor das zweistündige Konzert beginnt. Während des Konzertes überreichen wir Frank unser aktuelles Studioalbum "Hinter den Städten" und zwanzig Euro als kleine Geldspende für den neuen Rollstuhl. Anschließend sitzen wir noch eine Weile zusammen und lassen den Nachmittag, der nun schon zum Abend geworden ist, bei Bockwurst und Bier ausklingen. 

Bei diesem Konzert lernen wir Ansgar kennen. Er spricht mich nach dem letzten Lied an, ob er mal bei einer Probe von uns vorbeischauen könne. Er spielte wohl schon in mehreren Bands und würde gern versuchen, uns am Schlagzeug zu unterstützen. Keine Frage, dass ich in diesem Moment sehr froh bin, nachdem Marcel die Band so plötzlich verlassen hatte, wieder eine Anfrage von einem Drummer zu bekommen. Wir machen uns einen Termin aus und treffen uns eine Woche später im Proberaum. 

Ansgar überrascht uns, denn er kann fast alle Songs von uns auf Anhieb spielen, auch die eigenen Titel. Das musikalische Verständnis und die gegenseitige Abstimmungen aufeinander klappen sofort per Augenkontakt. Als er nach der ersten Raucherpause dann "Ich will nicht vergessen" von den PUHDYS haargenau wie im Original spielt, haut es mich endgültig aus den Socken. Ich will diesen Mann in meiner Band haben, koste es was es wolle und am liebsten sofort. Nach der Probe stellt er fest, dass es auch ihm riesigen Spaß gemacht hat und er sagt, dass er sehr gern wieder kommen würde. Das tat er seitdem regelmäßig, zu jeder folgenden Bandprobe. 

Mit ihm bekommen unsere Songs in den kommenden Wochen und Monaten einen neuen, frischen Sound. Zunehmend werden wir rockiger und energischer. Ansgar bringt bei jeder Probe, auch aufgrund seiner Erfahrungen in seinen bisherigen Bands, neue Ideen mit und hat sich über die ersten Wochen, scheinbar pausenlos, mit dem beschäftigt, was wir machten, als wir noch keinen Drummer hatten. Die Arbeit mit ihm macht riesigen Spaß. Durch die tolle Zusammenarbeit dauert es nur wenige Wochen, bis wir zu dritt auftrittsfähig sind. 

Die Songs stehen, die Stimmung innerhalb der Band ist sensationell und ich stehe mit Ansgar, nach den Proben, teilweise bis zu sechs Stunden an der Straßenbahnhaltestelle, um über unsere Musik oder Gott und die Welt zu plaudern. In Ansgar haben wir nicht nur einen unglaublich guten Musiker gefunden, sondern auch einen Freund, dem man so Manches anvertrauen kann. Am 1. März 2014 wird Ansgar schließlich ein festes Mitglied der Perlenfischer-Band.

Nachdem wir eine unserer dreistündigen Bandproben mit unserem neuen Schlagzeuger beendet haben, fahren wir am 15. März 2014 direkt vom Proberaum weiter nach Niedersedlitz, einen Stadtteil am Rande Dresdens. Dort haben wir für Selina, unsere Frau an der Technik, ein einstündiges Wohnzimmerkonzert geplant. Der Anlass für das Unplugged-Konzert im kleinsten Kreis soll der Einzug in ihre neue 1-Raum-Wohnung auf der Schönaer Straße sein. Schließlich sollen die neuen Nachbarn auch gleich wissen, was die neue Mieterin so für Musik hört. Zeitgleich soll das Konzert aber ein Dankeschön von uns, für die tolle und zuverlässige Zusammenarbeit mit ihr sein. Am Abend spielen wir ihre Lieblingssongs aus unserem Programm und sitzen den ganzen Abend zusammen. Wir erzählen uns viele Witze, lachen, feiern und verzehren unzählige köstliche Buletten mit Nudelsalat. 

Die Zeit bis zur nächsten Mugge verbringen wir, gemeinsam mit Ansgar, der mit bürgerlichen Namen Heinrich Brinkmann heißt, im Proberaum, um weiter an unseren Songs zu feilen, denn bereits ab Juli 2014 soll er uns auch auf der Bühne unterstützen. Doch bis es soweit ist, stehen für Peter und mich noch vier Auftritte auf dem Plan, die wir allein absolvieren werden. So zum Beispiel am 17. Mai 2014 in Heidenau. Nachdem wir hier vor ziemlich genau zwei Jahren schonmal zu einem Geburtstag auftraten, freuten wir uns, als nun die Anfrage kam, ob wir nicht Lust hätten, auch bei einer Jugendweihefeier auf der Käthe-Kollwitz-Straße zu spielen. 

Gastgeber ist diesmal Nick. Der Bruder von Peters Kumpel Ringo hatte uns schon oft für das Heidenauer Schulradio interviewt und stellt uns, im Wohnzimmer der kleinen Plattenwohnung seiner Eltern, sogar eine Gesangsanlage bereit, über die wir spielen sollen. Ich brauche noch nicht einmal meine eigene Gitarre auszupacken, denn auch dafür ist gesorgt und so spiele ich über die Fender-Gitarre von Nick. Das Wohnzimmerkonzert in familiärer Atmosphäre beginnt und die Stimmung bei allen 25 gespielten Songs ist phänomenal. Es wird lauthals mitgesungen und geklatscht und so wird schnell aus der einen Stunde, die wir eingeplant hatten, ein gut zweistündiges Konzert, bei dem viele Fotos und Videos gemacht werden. Es grenzt an ein Wunder, dass sich die Nachbarn vor Ort nicht über die Lautstärke beschweren oder gar die Polizei rufen. Nachdem das Konzert eigentlich beendet ist, schnappe ich mir nochmal die Gitarre und spiele den Song "Gewinner" von CLUESO. 

Nur einen Tag später spielen wir, ebenfalls zum zweiten Mal, bei einem Geburtstag auf der Döbelner Straße in Dresden. Aufgrund der schlechten Wetterlage wird das Konzert allerdings vom Garten in die Wohnung verlegt. Es gibt leckeren Kuchen und Kaffee. Im Anschluss beginnen Peter und ich unser kleines Konzert und stellen zwei neue Coversongsongs vor: "Ewig leben" von den PUHDYS und "Wie kann ein Mensch das ertragen" von PHILIPP POISEL. Nach dem Konzert machen wir uns recht schnell wieder auf den Heimweg, denn ich befinde mich schon mächtig im Umzugsstress. Der Umzug von der Radeberger Straße auf die Ermelstraße 23 in Dresden steht kurz bevor.

Nach dem Umzug gönne ich mir etwas Urlaub und lege meine Geburtstagsfeier um ein paar Tage nach hinten. Dieses Jahr möchte ich mit Fans und Freunden der Band, im Dresdner Rosengarten, direkt an der Elbe feiern. Bei bestem Wetter sitzen wir am 5. Juli 2014 an der Albertbrücke und die Feier beginnt mit einem spontanen Soloauftritt von Peter. Anschließend packe ich meine Gitarre aus und Ansgar schnappt sich eine Pappkiste und zwei leere Bierfässer, um uns den Takt vorzugeben. Es werden einige Songs aus dem aktuellem Live-Programm in einer ungewöhnlichen Akustikversion dargeboten. Kartoffel- und Nudelsalat mit Buletten, sowie Spieße mit Käse und Weintrauben vertreiben unseren Gästen dabei den wachsenden Hunger. Leider müssen wir, aufgrund eines kurzem, aber heftigen Gewitters, unter einer Elbbrücke Schutz suchen. Es ist plötzlich nass und hundekalt. Später, als der Himmel wieder aufklart, ziehen wir zurück zum nahegelegenen Rosengarten. Ansgar schnappt sich ein Liederbuch und singt wild drauf los. Klar ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis ich mich mit meiner Gitarre daran beteilige. 

Nun wird es aber wirklich Zeit für den ersten offiziellen Live-Auftritt mit unserem neuen Schlagzeuger. 

Der 11. Juni 2014 beginnt für mich kurz nach 7 Uhr. Zum zweiten Mal werden wir beim Hofspektakel in der Adolph-Kolping-Berufsschule auftreten, dieses Mal aber zu dritt. Kurz vor 8 Uhr trifft sich die Band auf dem Schulhof, wo bereits der Techniker die Gesangsanlage aufbaut. Peter hilft den Schülern beim Aufbau des Schlagzeugs und ich schleppe meinen neuen 300-Watt-Verstärker auf die Bühne, auf dem ich heute das erste Mal spielen werde. Nach dem Soundcheck und dem ersten Lied von uns, gibt es wie jedes Jahr die nicht enden wollende Eröffnungsrede des Schulleiters. Anschließend spielen wir wieder 3 Songs, darunter erstmals unsere Version des PUHDYS-Songs "Ich will nicht vergessen". Danach haben wir Pause, um den anderen Künstlern die Bühne zu überlassen. Das Rahmenprogramm umfasst in diesem Jahr wieder ein abwechslungsreiches Angebot an Beiträgen. Von Rap und diversen Lesevorträgen, bis zu einem Auftritt des Musiklehrers mit seiner Gattin, wird so einiges geboten. Es gibt in diesem Jahr auch einen Kosmetikwettbewerb für die Mädels der Schule, die schon ganz aufgeregt vor der Bühne auf die Verkündung der Siegerin warten. Vor der Auswertung dieses Wettbewerbes werden wir aber, kurz nach 12 Uhr die Bühne nochmal betreten und die letzten fünf Lieder unserer Setlist und zwei Zugaben zum Besten geben. Als Gage gibt es für jeden Musiker einen Einkaufsgutschein, im Wert von zwanzig Euro, für die Dresdner Altmarktgalerie. Alles in Allem ist es für uns ein gelungener Auftritt und zugleich eine gute Probe für das anstehende "Rock am Damm" - Festival, bei dem wir am 16. August 2014 auftreten werden.

Wir eröffnen, nach dem Willkommensständchen des Heidenauer Musikervereins, das traditionelle Festival auf der Festwiese in Heidenau. Die Leute tanzen wie wild und verlangen eine Zugabe nach der anderen von uns. Ansgar punktet bei den Leuten sofort mit seinem Können und ich habe, von diesem Augenblick an, wieder wesentlich mehr Spaß an den Muggen, weil ich die E-Gitarre öfter spielen kann. Durch Ansgar können wir nun auch englische Coversongs ins Programm nehmen, womit wieder etwas mehr Abwechslung ins Spiel kommen dürfte. 

Ein Soundcheck ist bei "Rock am Damm" kaum erforderlich, da der anwesende Techniker uns förmlich alle Wünsche von den Augen abliest und sein Fach absolut beherrscht. Wir spielen unser Programm mit dreizehn Songs bei schönstem Wetter und hervorragendem Sound. Vom ersten Song an haben wir das Publikum auf unserer Seite und somit reiht sich wohl auch dieser Auftritt in die lange Liste der unvergesslichen Auftritte ein. Nach einer knappen Stunde, die wir Zeit haben, wird lauthals nach einer Zugabe gerufen und so können wir noch unser "Raucherlied" zum Besten geben. Die Leute singen und klatschen, dass es uns wirklich schwer fällt, die Bühne für die nächsten Bands freizugeben. Der neue, frische Sound unserer Band kommt an und wir sind mehr als stolz, dass wir auch mit (oder vielleicht gerade wegen) dem neuen Schlagzeuger, die Bühne richtig gerockt haben. 

Keine fünf Minuten sind wir von der Bühne, da kommt auch schon der Veranstalter und fragt uns, ob wir nicht auch im kommenden Jahr wieder dabei sein wollen. Wir sagen sofort zu, weil wir von der perfekten Organisation des Ablaufes, des Sounds und des Lichts - und nicht zuletzt auch von dem leckeren Catering im Backstagebereich - total begeistert sind. Bis 23 Uhr lauschen wir den Bands, die nach uns spielen: DR. KOBAYASHI MARU & THE MOTHERSHIP CONNECTION und ROCKABILLY, die leider das Pech hatten, bei strömenden Regen spielen zu müssen. Außerdem spielten TAFF, von denen wir musikalisch total beeindruckt sind, FLEUROCK und STACEEJAXX. Alle Bands geben ihr bestes an diesem Abend und haben sichtlich Spaß. Vollgeladen mit Adrenalin des vergangenen Auftrittes, treten wir, mit lautem Gesang und einem nicht zu verachtenden Alkoholpegel, den Heimweg an.

Von Mitte August bis Anfang Dezember 2014 haben wir keine Auftritte, sodass wir im Proberaum ausgiebig für unser Weihnachtskonzert üben und dafür auch neue Coversongs einstudieren werden.

Vor allem für Peter wird es jetzt von Zeit zu Zeit immer schwerer. Er weiß, dass viele Leute seine Bühnenperformance immer noch schlecht finden. Wir haben stundenlange Proben damit verbracht, um für dieses Problem eine Lösung zu finden. Bei den früheren Akustikkonzerten konnte er ja oft sitzen, da fiel diese Schwäche von ihm nicht so extrem auf, aber nun muss er bei den rockigen Songs stehen, mehr Power in seine Stimme legen und sich als Frontmann behaupten. So sehr er sich auch bemüht, es klappt einfach nicht und die Resonanz vom Publikum wird immer schlechter. Die Gästebucheinträge, wo er als "Hampelmann" bezeichnet wird, häufen sich. Es muss jetzt dringend eine Lösung her, damit Peter nicht weiter diskriminiert wird oder irgendwann die komplette Band darunter leidet. Eine Möglichkeit wäre wahrscheinlich, sich von Peter zu trennen. Ja, das wäre der einfachste Weg gewesen und der Gedanke stand sogar im Raum, aber mit ihm würden wir seinen Gesang und seine Mundharmonika verlieren. Zwei Dinge, die diese Band von der ersten Stunde an prägen. Außerdem wäre die Trennung von Peter auch menschlich und freundschaftlich ein großer Verlust. Wir setzen uns also zusammen und beschließen einstimmig, dass wir einen neuen Frontmann suchen, der vorne die Show macht und Peter etwas in den Hintergrund rücken lässt. Trotzdem soll Peter einige Songs zukünftig auch allein singen dürfen. Eine gute Lösung, denn Ansgar und ich sind von Peters Fähigkeiten als Musiker nach wie vor überzeugt und es wäre sicher ein Fehler, ihn einfach so gehen zu lassen. Er spielt sensationell gut Mundharmonika und auch die eine oder andere Ballade unserer Band kann und will ich mir mit einem anderen Sänger gar nicht vorstellen müssen. 

Dadurch, dass wir aber zukünftig auch Rocksongs ins Programm aufnehmen werden, die sich Peter von Anfang an stimmlich nicht zutraut, brauchen wir so oder so einen anderen Hauptsänger, der diese Parts übernehmen kann. Und da merke ich wieder, wie klein diese Welt ist.

Ich suche wochenlang nach einem geeigneten Frontmann im Internet. Sämtliche Foren und Musikerportale bieten sich mir an, aber darin keine einzige Person, die ernsthaft Lust hat, bei uns vorbeizukommen. Viele melden sich, um einen Termin auszumachen, erscheinen dann aber einfach nicht. Zuverlässigkeit hat aber nun mal die größte Priorität in unserer Band. Die Suche endet letztlich unerwartet, als ich eines Tages einem alten Bekannten beim Umzug helfe: Mario, ein ehemaliger Kollege im Callcenter bzw. mein früherer Teamleiter. Ich weiß, dass er Gitarre spielt und auch ein bisschen singt, aber bis dato alles nur sehr unregelmäßig und eher für sich selbst. Er betätigt sich vorwiegend eher als Pantomimekünstler, dessen Show wir 2012 bei unserem Weihnachtskonzert im Volume11 genießen durften. 

Am Tag seines Umzugs fragt mich Mario, ob wir aktuell noch einen Sänger suchen würden. Er meint: "Ich würde sehr gern mal vorbeikommen, um zu schauen wie es musikalisch zusammenpasst." Erst denke ich, dass er Spaß macht und sage lachend: "ja nee klar, komm einfach irgendwann vorbei." Später zieht er mich dann aber nochmals zur Seite und sagt, dass er es ernst meint und ich ihm verraten solle, wann und wo die nächste Probe stattfindet. Etwas ungläubig gebe ich ihm diese Informationen.

In der Probe überzeugt uns Mario vor allem mit seiner Version des URIAH HEEP-Songs "Lady in Black", direkt danach mit "Knockin' on Heaven's Door" von BOB DYLAN und unserem "Dresden-Blues".  Am 15. September 2014 steigt er als fester neuer Frontmann in die Band ein und wir können uns in der Ära "Perlenfischer" das erste Mal ein Quartett nennen: Mario als neuer Frontmann und Sänger, Peter als Zweitstimme mit Mundharmonika, Ansgar als Drummer, der ebenfalls ab und zu zum Mikrofon greift und meine Wenigkeit als Songwriter und Gitarrist. Wir arbeiten fortan an unseren Liedern und nehmen im Volume 11 eine Demo-CD auf, die wir anschließend an diverse Veranstalter verteilen wollen. 

Jedoch merkten wir bereits in den Jahren zuvor, dass unser Bandname "Perlenfischer" von den Veranstaltern sehr oft mit Schlager assoziiert wurde. Wir waren ja aber keine Schlagerband - ganz im Gegenteil! Wir orientieren uns mittlerweile eher an Bands wie RAMMSTEIN oder ROLLING STONES, auch der Sound und vor allem die Texte der Band BÖHSE ONKELZ inspiriert uns immer mehr. Der doch recht zaghafte Name PERLENFISCHER hat nun wohl endgültig ausgedient. Aus diesem Grund planen wir, uns zum Jahreswechsel umzubenennen. Doch wie nennt man sich nach 4 Jahren Bandgeschichte? Diese Frage steht lange im Raum und intern scheint es keine Lösung zu geben. Es muss rockiger klingen, aber nicht zu böse. Irgendwann schleppt Ansgar den Namensvorschlag OSTREA an, das lateinische Wort für Auster. "Der Name spiegelt unsere Herkunft, den Osten Deutschlands, wider und ist schön kurz und einprägsam", sagt Ansgar und wir sind begeistert. Mit diesem Bandnamen wollen wir ab dem 1. Januar 2015 in Erscheinung treten und unsere Songs, die nach wie vor wie eigene Kinder für uns sind, der breiten Masse präsentieren. Doch schon kurz nach der Bekanntgabe des neuen Namens werden wir vermehrt gefragt, was wir denn mit dem Musiker CHRIS REA gemeinsam hätten und ob wir nun nur noch Songs von ihm covern wöllten. Gut möglich, dass der neue Bandname phonetisch nah an dem des britischen Sängers lag, aber mit unserer Musik hat das nun wirklich so rein gar nichts zu tun. An dieser Stelle sei nochmal ganz deutlich erwähnt, dass unser Bandname nichts mit dem britischen Sänger zu tun hat, sondern eher eine Verbindung zu dem alten Bandnamen "Perlenfischer" darstellt. Eine Verbindung zum Meer, welches in sehr vielen unserer Texte als Metapher benutzt wird.

Klar gehört zu einem Namenswechsel immer sehr viel Arbeit. Eine neue Homepage, ein neues Profil bei Facebook, bei Youtube und so weiter und so fort. Leider bleiben die meisten dieser Aufgaben wieder an mir, als "Kopf der Band", hängen. Aber ich mache es gern, auch wenn ich sehr oft nur wenig verbleibende Zeit habe, um mal etwas Anderes zu tun.

Das letzte Konzert vor dem Namenswechsel findet am Nikolaustag statt. Um 14 Uhr beginnt der Aufbau im Volume11 Dresden. Der anschließende Soundcheck erweist sich als sehr kompliziert, da der Raum doch sehr klein ist, um einen guten Sound mit Schlagzeug, E-Gitarre und zwei Sängern hinzubekommen. Doch 16 Uhr, wenn Stück für Stück die Zuschauer eintrudeln, muss alles fertig sein. Den Start macht Peter, der drei Songs per Halbplayback solistisch performt und den Zuschauern somit ordentlich einheizt. Danach komme ich mit auf die Bühne und singe mit Peter im Duett den wunderbaren Titel "Geboren um zu leben" von UNHEILIG. Es folgen weitere Songs der Perlenfischer-Band, bis auf einmal der Nikolaus in der Tür steht, vertreten durch Mario, unserem neuen Sänger. Mario verteilt weihnachtlich verpackte Geschenke ans Publikum. Darin befindet sich jeweils eine Promo-CD der Perlenfischer-Band und zwei handsignierte Autogrammkarten. Direkt danach nehme ich meine Gitarre, Ansgar betritt die Bühne und singt mit Peter "Lebenszeit" von den PUHDYS, bevor er sich an sein Schlagzeug setzt. Ein weiteres Highlight ist der Song "Wenn Du nicht wärst", den sonst immer Peter sang. Diesmal wird er von Ansgar gesungen. Dann kommt Mario erneut auf die Bühne, diesmal aber nicht als Nikolaus, sondern als neuer Frontmann der Band. Im Duett mit Peter singt er "Über sieben Brücken" von KARAT und anschließend das bandeigene "Raucherlied", welches vor kurzem eine zusätzliche Strophe bekommen hat. In der darauf folgenden Pause wird Bier, Wasser und jede Menge Weihnachtsgebäck verzehrt und die Zuschauer suchen sehr intensiv das Gespräch mit den zwei neuen Mitgliedern der Band, um ein Feedback abzugeben, welches mehr als positiv ausfällt. Die Pause dient aber vor allem als Namenswechsel. Die Perlenfischer-Band verschwindet im Raucherbereich der Location und beginnt den zweiten Teil mit der Ankündigung: "Ab diesem Moment heißen wir OSTREA". Es gibt ein neues Intro und drei neue Coversongs, darunter "Helfen kann Dir keiner" von der Gruppe BAP. Auch den neuen eigenen Titel "Wiederkehr", der im kommenden Jahr auf einer neuen CD veröffentlicht werden soll, präsentieren wir das erste Mal. Der Song "Paradies" hat einen komplett neuen Text bekommen und feiert bei diesem Konzert somit seine zweite Premiere. Wir sehen in begeisterte und staunende Gesichter des Publikums. Ganz offensichtlich sahen die Leute eine gut aufeinander abgestimmte, spielwütige, neu orientierte Band mit großen Plänen und Zielen. Nach dem Konzertende bleiben einige Fans noch in der Location und kommen in den Genuss, weiter mit der Band feiern zu können. Es wird bis kurz nach 22 Uhr musiziert und auch der ein oder andere Songwunsch erfüllt. Es ist wohl nicht gelogen, wenn man sagt, dass dieser Abend für alle Anwesenden ein voller Genuss  und ein gebührender Abschied der Perlenfischer-Band, beziehungsweise ein sehr erfolgreicher Start von vier Vollblutmusikern unter neuem Bandnamen "Ostrea" ist. Man wird noch viel Neues und Spannendes von dieser Band hören und darf sehr wohl gespannt sein, wie es weitergeht.

Den ersten Auftritt als "Ostrea" ist wieder ein unvergesslicher Abend in der Wohnung von Frank in Freital. Geplant ist eigentlich nur ein akustischer Auftritt von Peter und mir, doch es kommt spontan anders. Die gesamte Band trifft Stück für Stück ein. Besonders freuen wir uns über den Besuch von unserem treuen Fan Sven, der seit Jahren immer wieder dabei ist, wenn unsere Band irgendwo spielt. Auch aus Kamenz und Prenzlau kommen Leute zu Frank, um unserer Musik zu lauschen. In der Pause gibt es Hackepeter-Brötchen, Bockwurst und Kaffee. Auch das eine oder andere Bier wird getrunken. Nach der Pause dann der zweite Teil unseres Konzertes, in dem auch Ansgar und Mario sich mit Gesang und einer Schellentrommel beteiligen. Es wird unter anderem auch der neue eigene Song "Gute Nacht" präsentiert. Nach dem Konzertende wird immer wieder zur Gitarre gegriffen, um Zugaben zu spielen. Allerdings überschattet diesen Abend ein Ereignis, das wir wohl auch nicht so schnell vergessen werden. Franks Tochter Antonia hat wohl zu viel getrunken, schläft auf einem Stuhl ein und kippt schließlich um. Das hübsche Mädchen, mit dem ich noch vor ein paar Stunden so fleißig und intensiv geflirtet habe, ist im völligen Delirium und nicht mehr ansprechbar. Wir beschließen den Notarzt zu rufen. Antonia wird ins Krankenhaus gebracht, um sich in Ruhe ausnüchtern zu können. 

Ein paar Tage später besuche ich Antonia bei ihr zuhause, um mich nach ihrem Wohlbefinden zu erkundigen.  An diesem Tag werde ich den intensivsten, ersten, aber zugleich auch letzten One-Night-Stand meines Lebens erleben. Sie dröhnt sich in ihrer Tharandter Zweiraumwohnung so extrem mit Drogen zu, dass sie sehr schnell Lust auf mich bekommt. Ich lehne zwar ihr Angebot ab, mir auch etwas weißes Pulver durch die Nase zu ziehen, kann ihrem heißen Körper aber irgendwann nicht mehr widerstehen, als sie anfängt sich vor mir auszuziehen. Es wird eine wahnsinnig heiße Nacht, mitten im Dezember, die nicht nur durch das viele brennende Holz im Kamin verursacht wird, wenn ihr wisst was ich meine?! Ja, es geht heiß her zwischen Antonia und mir und doch wird sich schon wenig später ein großes Problem anbahnen: Antonia schläft irgendwann in meinen Armen ein und ich bin - trotz meiner starken Abneigung zu Drogen - total verknallt in sie. Leider beruht das nicht auf Gegenseitigkeit. Antonia kann sich am nächsten Morgen an kaum etwas erinnern und will, dass wir Freunde bleiben - oh Mann, wie ich diesen Spruch hasse! Sie lädt mich eine Woche später zu einem DVD-Abend ein. Voller Hoffnung, sie doch noch von mir überzeugen zu können, fahre ich, naiv wie ich bin, wieder zu ihr. Antonia bleibt aber hart und sagt, ich sei nicht ihr Typ und sie will wirklich nur eine Freundschaft. Tief traurig laufe ich am späten Abend zum Tharandter Bahnhof und stelle fest, dass mich hier heute keine S-Bahn mehr nachhause bringen wird. Also laufe ich zurück zur Wohnung von Antonia und bitte sie um Asyl für eine Nacht. "Nein, dann schlafen wir nur wieder miteinander und Du machst Dir noch mehr Hoffnung, das will ich nicht", sagt sie und schmeißt mich raus. In meiner Verzweiflung rufe ich Mario an, der mich schließlich mit dem Auto, mitten in der Nacht, in Tharandt abholt und nachhause fährt. Nie wieder werde ich mich auf einen One-Night-Stand einlassen, warum? Weil es immer so sein wird, dass ich mich unsterblich in eine Frau verlieben werde, weit bevor ich mit ihr eine heiße Nacht verbringe. Die folgende Enttäuschung für mich, wenn die Frau an keiner festen Beziehung interessiert ist, kann, muss und sollte ich mir zukünftig ersparen.

2015

Phonzahl bringt Stimmung

Tag für Tag kann man meiner Band dabei zuschauen, wie mit den neuen Bandmitgliedern ein frischer Wind durch den Sound, den wir machen, fegt. Wir werden immer rockiger und sind voller Motivation auch unser Repertoire entsprechend zu erweitern. Klar macht es uns immer noch Spaß bekannte Ostrock-Songs zu covern, aber wir wollen mehr. Wir erweitern also unser Spektrum und widmen uns zum Beispiel auch den Songs von WESTERNHAGEN und den BÖHSEN ONKELZ. Das war der Sound, den wir gern spielen wollen. Dennoch werden wir die Songs der PUHDYS und Co. und natürlich auch unsere eigenen Lieder nie gänzlich von der Setlist streichen. 

Während wir an diesen neuen Songs arbeiten, ruft mich eines Tages Hannes, der SEDONY-Gitarrist an und will mir eine Katja zur Probe schicken. Sie sei eine erfahrene Sängerin und ich solle sie mir mal anhören. In der Tat war Katja eine Rockröhre. Ihre Stimme ähnelte der von PINK. "Sicher werden wir mit Katja in Zukunft eine wunderbare Sängerin haben, die bei manchen Songs ihre ganze Power ins Publikum fluten wird", dachten wir, aber immer, wenn in einer Band alles perfekt zu laufen scheint, kann man in aller Regel darauf warten, dass der nächste Rückschlag kurz bevorsteht. Und so war es dann auch, im April 2015.

Ostrea steckt mitten in den Vorbereitungen für das fünfjährige Bandjubiläum. Geplant ist ein neues Studioalbum für den Winter und jede Menge Auftritte, auch ein Jubiläumskonzert soll es geben. Doch Katja taucht plötzlich nicht mehr bei den Proben auf und ist telefonisch für uns nicht zu erreichen. Wir versuchen oft sie telefonisch, oder auch über die sozialen Netzwerke, zu erreichen oder irgendwie wieder Kontakt zu ihr herzustellen, um zu erfahren, was los ist. Wir machen uns Sorgen, dass ihr vielleicht etwas zugestoßen sein könnte. Anders konnten wir uns ihr Fernbleiben nicht erklären. Doch sie ignorierte uns. Wahrscheinlich hatte sie es sich doch anders überlegt und konnte oder wollte es uns nicht persönlich mitteilen.

Und so machen wir zu viert weiter. Im Volume 11 nehmen wir die Songs für unser Jubiläumsalbum auf. Es soll den Namen "Phonzahl bringt Stimmung" bekommen und 15 eigene Songs von uns enthalten. An zwei Tagen arbeiten wir von früh morgens bis tief in die Nacht an den Aufnahmen. Dabei spielen wir erst alle Songs komplett als Demoversion ein, die wir dann als Orientierung für die finale Aufnahme der einzelnen Instrumente und Stimmen nutzen. Später werden kleine Verspieler und Unreinheiten korrigiert und auf der jeweiligen Audiospur ersetzt und überschrieben. Den Mix und das Mastering der Songs übernimmt anschließend Andreas Lichterfeld für uns, der uns zuvor das Mischpult für die Aufnahmen zur Verfügung stellt und uns dessen Funktionen erläutert. Wir geben ihm als Dank, für seine wochenlange Mühe und Arbeit an unseren Aufnahmen, einhundertfünfzig Euro aus unserer Bandkasse, denn das Endergebnis kann sich wirklich hören lassen.

Zuhause bastele ich ein passendes CD-Cover mit dem ehemaligen Logo der Perlenfischer-Band auf schwarzem Hintergrund. Dabei verzichte ich allerdings auf den darüberstehenden Schriftzug "Perlenfischer", denn der wird nun durch das nagelneue Bandlogo von OSTREA ersetzt, welches im Übrigen auch wieder Romy Löbel aus Chemnitz für uns entwickelte. Auf der Rückseite des Covers findet man die Tracklist in weißen Lettern, ebenfalls auf schwarzen Hintergrund. Bei genauem Hinschauen wird man eine Lautsprecherbox entdecken, die, genau wie der Albumtitel, einen Bezug zum Volume11 darstellen soll, wo unsere Songs entstanden sind. Die Idee zum Albumtitel bringt Ansgar ein. Wir finden den Namen für unsere CD direkt toll und passend, denn was viele vielleicht nicht wissen, ist das Wort "Phonzahl" das alte Wort für "Volume" und heißt nichts anderes als "Lautstärke". Und wir waren laut, schließlich handelt es sich um das erste Studioalbum, auf dem E-Gitarren zu hören sind. 

Wenn ich so über die ganzen Namen nachdenke, dürfte die Zahl elf im Namen unserer Proberaumeinrichtung wohl die maximalste Lautstärkestufe eines Gitarren-Amps, oder ein Hinweis auf das Gründungsjahr 2011, darstellen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die Nils wohl besser beantworten kann als ich.

Kurz nach unserer Studiosession proben wir an unseren Songs, die wir ab dem Sommer 2015 live spielen möchten. Mario zieht mich in einer dieser Proben zur Seite und sagt, er müsse etwas Wichtiges mit mir besprechen. Ich ahne nichts Gutes und lade ihn auf eine Zigarette im Hausflur ein.

Mario erzählt, dass er seit geraumer Zeit, neben seiner Tätigkeit bei OSTREA, auch mit einem anderen Projekt beschäftigt sei. "Gut okay", dachte ich, denn das hatte er uns ja schon gesagt. Er spielte die Rolle des "Jesus" in einem Passionsspiel, welches über die Osterfeiertage in der Sporthalle Zschorlau aufgeführt werden soll. Ich sage ihm: "Damit haben Peter, Ansgar und ich doch aber kein Problem, das weißt Du doch, also was ist nun das Wichtige, was Du mir unbedingt sagen möchtest?" Er sagt mir, dass ihn die Proben zu diesem Theaterstück zeitlich sehr stark beanspruchen würden, dass er kaum noch Zeit fände, unsere Songs zuhause zu üben und sich auch bei den Proben kaum noch konzentrieren könne. Hinzu kamen private Probleme und Rückschläge, die ihn sehr beschäftigen und an seinen Nerven zehren. Er müsse das jetzt erst einmal verkraften und verarbeiten und wolle dann sehen, wie es weitergeht. Kurz gesagt: Er wollte eine Pause einlegen, jetzt wo das Album im Kasten war und am 11. Dezember 2015 erscheinen soll. 

Ich merke, dass Mario nervlich total am Ende ist, er fängt an zu weinen und offenbart mir die traurige Neuigkeit, dass sein Vater und seine Mutter kurz nacheinander verstorben sind und er nicht weiß, wie er das alles einfach wegstecken solle. Hinzu kommen menschliche Differenzen mit Ansgar, die sich wohl zwischen den beiden in den letzten Wochen aufgebaut haben und Mario schließlich zu dieser Pause, oder kurzfristigen Rückzug aus der Band ermutigt haben. Ich bin etwas sprachlos und gebe Mario natürlich diese, wahrscheinlich längst nötige, Auszeit. Nach dem Gespräch rede ich mit Ansgar und Peter und es stellt sich heraus, dass wohl politische Meinungsverschiedenheiten zu persönlichen Konflikten zwischen Ansgar und Mario führten. Das finde ich sehr schade, da solche Themen nichts mit uns als Band, geschweige denn mit unserer Musik zu tun haben. Aber sei es drum, es muss trotzdem irgendwie weitergehen. 

Natürlich wird es für Mario irgendwann nicht mehr möglich sein, die verpassten Bandproben aufzuholen. Noch in seiner Auszeit entscheidet er sich, die Band endgültig zu verlassen, um sich gänzlich um seine privaten Probleme kümmern zu können und uns als Band nicht aufzuhalten. Vermutlich hat er recht, als er uns sagt, dass wir, bei seiner Rückkehr, mit ihm wieder bei Null anfangen müssten und so akzeptieren wir seine Entscheidung und trennten uns sehr freundschaftlich von ihm. Irgendwie konnte ich Marios Situation sogar sehr gut nachvollziehen. Manchmal muss man sich selbst Grenzen setzen und auch mal die Reißleine ziehen, wenn es zu viel wird und man den Kopf nicht mehr frei bekommt. Das tat er nun und auch ich hätte es viel eher tun sollen.

Bei meiner derzeitigen Arbeit als Callcenter-Agent arbeite ich auf Provisionsbasis und der Verkaufsdruck der Geschäftsführung wird stetig, ja fast täglich, erhöht. Auch wenn die Verkaufszahlen bei mir immer stimmen, reicht es meinem Chef nicht aus und ich soll noch mehr Verträge unter die Leute bringen, aggressiver telefonieren und die Kunden zum Vertragsabschluss bringen. Das allerdings widerspricht meinem Gewissen und ich kann mir im Spiegel, vor schlechtem Gefühl, schon bald nicht mehr in die Augen sehen. Ich beginne unter wochenlangen Kopf- und Gelenkschmerzen und Schüttelfrostattacken zu leiden und brach schließlich auf Arbeit zusammen. Erst redete ich mir ein, es sei ein normaler grippaler Infekt, der sich schon bald erledigt haben wird, aber dem war nicht so. Meine Hausärztin, die ich eigentlich nur aufsuche, um mir einen Krankenschein für die Arbeit zu besorgen, spricht auf einmal von einem Burnout. Sie empfiehlt mir dringend den Job im Callcenter an den Nagel zu hängen, mich der Genesung zu widmen und nur das zu tun, was mir selbst Freude bereitet - also Musik. Neben zahlreichen Untersuchungen, viel Schlaf und der wochenlangen Einnahme von Johanniskrautkapseln, ging es mir bald wieder gut und ich konnte mit Ansgar und Peter wieder für die anstehenden Auftritte üben.

Nach sieben Monaten harter Trainingszeit mit mir selbst und mit der Band im Proberaum, wurde es höchste Zeit wieder rauszukommen und vor einem Publikum zu spielen. Am 03. Juli 2015 erleben wir unseren diesjährigen Tourauftakt, bei über 30 Grad Celsius, an der Adolph-Kolping-Schule Dresden. Bereits 7 Uhr treffen wir uns, um gemeinsam das Equipment und Merchandise in Richtung Location zu schleppen. Als wir gegen 7.30 Uhr den Schulhof erreichen, scheint bereits die Sonne mit all ihrer Kraft auf die kleine, hölzerne Openairbühne, auf der wir ab 9.30 Uhr auftreten sollen. Wir bauen unsere Technik auf und haben noch etwas Zeit für einen Kaffee, im nicht weit entfernten Supermarkt. 

Nachdem wir unseren Kaffee geschlürft haben und der Moderator und der Schuldirektor ihre Ansprache gehalten haben, spielen wir die ersten drei Songs unserer Setlist und schwitzen was das Zeug hält. Wir sind recht froh, dass wir uns, aufgrund des breiten Rahmenprogramms, danach in eine zweistündige Pause begeben können, in der wir versuchen uns irgendwie abzukühlen. Gegen 11 Uhr folgt dann der zweite Auftritt: nochmals drei Songs und dann zum Glück kurz nochmal runter von der Bühne. Es war stickig und heiß da oben. Unsere Klamotten waren klatschnass und ich will mir unseren Schweißgeruch gar nicht vorstellen. Trotzdem beschließen wir, gemeinsam mit der Veranstalterin, zum Schluss des Hofspektakels nochmal vier Songs zu spielen, die eigentlich nicht geplant sind. Ein Schüler stürmt daraufhin die Bühne, um Peter die Hand zu schütteln und teilt lauthals mit, wie toll er unsere Musik findet. Sowas haben wir in dieser Art auch noch nicht erlebt. Begeistert und etwas schockiert bringen wir mit "Wieder mal 'nen Tag verschenkt" von der Band BÖHSE ONKELZ und "Geiler is schon" von WESTERNHAGEN, unsere Show zum Finale

Nach nur einem Monat geht es am 1. August 2015 nach Kamenz in die Lessingstadt der Lausitz, in der die Puhdys über 20 Jahre eine feste Größe waren und somit auch für uns, als regelmäßige Konzertbesucher, schon fast eine Heimat war. 

Wir werden die Veranstaltungsreihe "1. Rock & Fox am Grill im Stadion der Jugend" als Hauptband eröffnen. Im Vereinsheim "Cubalu" des SV Einheit Kamenz werden die Zuschauer ab 18 Uhr mit einem hausgemachten "All You Can Eat" - Grill-Buffet verwöhnt. Drei Stunden vorher reisen wir an, um gemeinsam mit der zweiten Band, die für den Fox-Anteil des "Rock & Fox" zuständig war, die Technik aufzubauen und den Soundcheck zu machen. Erst kurz vor dem Einlass ist alles fertig geworden. Langsam füllen sich die Sitzbänke des Geländes, welches sich direkt am Sportplatz befindet. Die Stimmung und das Ambiente sind außergewöhnlich gut und wir wollen nun endlich auf die Bühne, um den ersten Teil, des insgesamt anderthalbstündigen Programms zu absolvieren. Mit unserem brandneuen BAP-Coversong "Waschsalon" geht es pünktlich um 20 Uhr los. Wir spielen alte und bekannte Titel, aber auch sehr viele neue Sachen, wie zum Beispiel unsere neuen und eigenen Songs "Heaven" und "Neue Wege", um die Leute gut zu unterhalten. 

In der anschließenden Pause kommen wir das erste Mal in den Genuss von Nudelsalat und Bratwurst. Musikalisch begleitet werden wir dabei von einem Duett namens RENDEZVOUS, welches "für jeden Anlass die richtige Stimmung" besitzt. So zumindest steht es als Spruch auf ihrem Banner, der am Keyboard befestigt ist. Und das Motto wird sich schon wenig später bewahrheiten. Das Duo spielt zum größten Teil Schlager, Volkslieder und Evergreens, allerdings so schlecht gesungen, dass es an tonaler Schiefheit keinesfalls mangelte oder zu übertreffen gewesen wäre.

Nach einer knappen Stunde werden wir dann wieder auf die Bühne gebeten, um den zweiten Teil des Konzertes zu spielen. Die Lichtshow entfaltet jetzt erst seine komplette Pracht, weil es im ersten Konzertteil noch zu hell war. Auch die Bienen summen fleißig um unsere Köpfe und Körper, als wöllten sie selber mitspielen und singen. Schon beim ersten Song habe ich ein Rendezvous mit einer dieser zahlreichen Tierchen. Es bevölkert mich regelrecht und setzt sich, während ich meine Gitarre spiele, auf meine Wange und wandert langsam und vergnügt unter meine Sonnenbrille, direkt in Richtung meines Augapfels. Meine Konzentration beeinflusst das in diesem Moment relativ wenig, aber ich muss zugeben, dass ich doch etwas nervös werde und froh bin, als ich sie nach dem Song verjagen kann. Später werde ich über meine Hausärztin erfahren, dass meine Haut, nach der Einnahme von Johanniskraut, über die Hautporen gewisse Stoffe absondert, die vielleicht die Wespen auf mich so geil gemacht haben.

Nach zirka der Hälfte des zweiten OSTREA-Konzertteils gibt es plötzlich Schwankungen in der Lautstärke. Erst denken wir an ein technisches Problem und melden es dem Techniker. Als dann aber auch das Bühnenlicht immer mal wieder für kurze Zeit aussetzt, werden wir skeptisch und siehe da, es war kein technischer Defekt. Ein Musiker von RENDEVOUS hat mit voller Absicht an den Reglern gespielt, um unseren Auftritt zu sabotieren und gibt es sogar vor dem Publikum zu. Nun hatten waren sie dem Spruch ihres Banners gerecht geworden. Die Stimmung kochte hoch, nicht nur bei uns. Dennoch beschließen wir mit den älteren Herren das Gespräch zu suchen und brechen unseren Auftritt ab. 

Der Techniker sagt uns, wir hätten so furchtbar gespielt, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als die Lautstärke auf Null herunter zu drehen. Das sah das Publikum allerdings anders und rief lauthals unseren Bandnamen. Die Leute buhten RENDEZVOUS regelrecht aus. Die zweite Band hat also ganz offensichtlich ein Problem damit, dass wir als Headliner spielen und nicht sie. Ich hole den Veranstalter dazu sage den Neidern, dass ich auch nicht gerade begeistert von deren Musik sei und trotzdem nie auf die Idee gekommen wäre, einfach mal an Licht und Ton rum zu spielen. Die Diskussion wird dann so sinnlos, dass ich auf die Bühne gehe und den Leuten erkläre, dass wir nicht weiter spielen werden, da es Musiker gibt, die uns hier den Auftritt vermiesen und uns nicht länger auftreten lassen wollen. Als die Vorgruppe dann für uns weiterspielt, ruft das Publikum wieder lautstark unseren Bandnamen und zeigt vermehrt der Band RENDEZVOUS den Stinkefinger. Wir packen zur gleichen Zeit unser Zeug zusammen und verlassen die Location. 

Das soll zum Glück der einzige Auftritt in unserer Bandgeschichte sein, den wir kurzfristig abbrechen müssen. Schon beim nächsten Auftritt erleben wir, wie gerecht und respektvoll Bands untereinander umgehen können und auch sollen.

Wenn man als Musiker junge Rockbands aus der Region, professionelle Organisation mit grandiosen Ton- und Lichttechnikern, nette Veranstalter und sensationelles Catering im Backstage-Bereich finden möchte, muss man zum alljährlichen "Rock am Damm" nach Heidenau fahren. Genau aus diesem Grund sagen wir auch sofort zu, als wir dieses Jahr, bereits zum zweiten Mal gefragt werden, ob wir eine Stunde mit unserer Musik füllen würden. 

Am 8. August 2015 spielt der Heidenauer Musikverein e.V., als wir gegen 18.30 Uhr das Festgelände betreten. Das diesjährige Programm auf der Bühne bot, bei bestem Wetter, eine bunte Auswahl guter Rockmusik. Obwohl wir erst um 22 Uhr dran waren, reisten wir schon viel früher an, um auch die anderen Bands zu sehen. Dieses Jahr rockten FLEUROCK, TAFF und die Band OWB, vor unserem Auftritt das Festival an der Elbstraße. Nach einem kurzen Soundcheck geht es schließlich für uns, auf die Minute genau, um 22 Uhr auf die Bühne. Wir spielen unser Set und das Publikum tanzt, klatscht und feiert uns. Alles ist perfekt und die Zeit auf der Bühne erscheint uns viel zu kurz. Dennoch verlassen wir um 23 Uhr die Openairbühne, denn nach uns will noch die Band ANY DANCE ihren Tourabschluss feiern. 

Besonders toll finden wir eine Spendenaktion der Veranstalter, die während des Festivals ordentlich viel Geld für Heidenauer Tagesmuttis zusammenbrachte. Natürlich haben wir uns an dieser Aktion beteiligt, bevor wir gegen Mitternacht, mit vielen neuen Erinnerungen und unvergesslichen Eindrücken, den Heimweg antreten.

Weiter geht es am 22. August 2015 auf dem Hof der Dresdner Mietbar. Wir spielen anlässlich einer Schuleinführung ein zweieinhalbstündiges Openair für die frischgebackenen Schulkinder und stellen fest, dass der kleine Eddi ein Naturtalent ist. Bereits bei unserem Konzert in Kamenz trommelte er,  der junge Schlagzeugschüler von Ansgar, beim Soundcheck wie ein kleiner Profi auf unseren Drums. Um den Kindern eine kleine Freude zu machen, darf sich heute nicht nur Eddi, sondern auch alle anderen Kinder, an der großen Krachtrommel ausprobieren. Bei dem Song "Geiler ist schon" wird Eddi dann ganz offiziell mit uns spielen - der Nachwuchs muss eben frühzeitig gefördert werden. Es war ein Bild für die Götter, wie die Kinder wild drauf los trommelten. Wenn ich aber bedenke, was da alles hätte kaputt gehen können und was die Neuanschaffung eines Schlagzeuges kostet, wird mir etwas mulmig. Aber solche kleinen Momente machen ja am Ende den Auftritt erst richtig zu etwas ganz Besonderen. Zum Schluss spielen wir erstmals "Ein Kompliment" von SPORTFREUNDE STILLER und stürmen anschließend zum Catering, dort gibt es Spanferkel und selbstgemachten Nudelsalat mit köstlichem Bier. Lecker!

Die kommenden Wochen ohne Auftritt nutzen wir intensiv für die Vorbereitung unseres Jubiäumskonzertes, anlässlich des fünfjährigen Bestehens unserer Band. Es wird in einem afrikanischen Klub, ganz in der Nähe des Bahnhofes in Dresden-Neustadt stattfinden. Die Verkehrsanbindung für unsere Fans sollte also gegeben sein. Aber unsere Band, die vorwiegend deutsche Songs spielt, in einem afrikanischen Klub? Das kann sich wohl weder das Publikum, noch unsere Band so wirklich vorstellen. Dennoch trauen wir uns am 14. November 2015 und ziehen das Konzert, trotz weniger Zuschauer im Makino-Klub Dresden, durch. Es ist durchaus ein lustiger und rockiger Abend. Viele Songs unseres neuen Studioalbums, aber auch immer wieder gern gehörte Coversongs ertönen beim Konzert und so wagen wir sowohl einen musikalischen Rückblick in die Vergangenheit, als auch einen großen Blick in die Zukunft unserer Band. 

Nach unserer Anreise gegen 17 Uhr und dem daran anschließenden Aufbau und Soundcheck, gibt es zur Stärkung der Band lecker zubereiteten Reis mit Hühnerfleisch und jede Menge Spaß im Backstage-Bereich des Klubs. Wir erzählen uns Witze und singen alberne Lieder. Das Konzert selbst spielen wir komplett fehlerfrei und meine Gitarrensaiten halten die komplette Show, was schon eine wirkliche Seltenheit darstellt. Wie immer ist dieses zweieinhalbstündige Konzert, wie fast jedes andere, schneller zu ende, als man aufhören möchte zu spielen. Peter, Ansgar und ich feiern noch bis tief in die Nacht mit dem afrikanischen Klubbetreiber, seinen Angestellten und unseren Fans.

Auf unserer Webseite stellen wir nach dem Jubiläumsaktion diesmal nicht nur den Konzertbericht mit Bildern und Videos vom Auftritt online, sondern auch ein Gewinnspiel in Form eines Kreuzworträtsels, welches all unsere Songs enthält. Zu gewinnen gibt es ein exklusives OSTREA-Fanpaket mit unseren beiden Studioalben und allen Merchandise-Artikeln. Die Aktion kommt so gut an, dass wir in den kommenden Jahren immer mal wieder Gewinnspiele, Spendenaktionen, Verlosungen oder auch ein Adventskalender mit verschiedensten Überraschungen machen werden. Ideen haben wir genug, denn die enge Bindung zu den Fans ist, aus meiner Sicht, mit das Wichtigste für einen Künstler. Glückliche Fans versprechen gut besuchte Konzerte.

Das Jubiläumskonzert soll allerdings auch der letzte öffentliche Auftritt mit Ansgar am Schlagzeug sein, denn er wurde vor geraumer Zeit am Knie operiert. Ihm wurden Schrauben eingesetzt, die ihm schon vor dem Jubiläumskonzert sehr starke und immer größer werdende Schmerzen verursachten. Zu den Proben humpelte er und konnte weder lange stehen, noch lange sitzen, was uns oftmals zu längeren Pausen während des Übens zwang. Und so kommt es nun, wie es kommen muss: Ansgar muss sich einer zweiten Knieoperation unterziehen und wird fortan nicht mehr bei uns spielen können.

Wir besuchen ihn, kurz nach dieser zweiten Operation im Freitaler Krankenhaus. Dort teilt er uns endgültig mit, dass er musikalisch kürzer treten wolle und die Band als festes Mitglied verlassen wird. Er sagt: "Vielleicht trete ich hier und da nochmal als Gastsänger mit Euch auf, sofern meine Gesundheit es irgendwann wieder zulässt." Doch nun stand vor allem erstmal seine zeitnahe Genesung im Vordergrund.

Peter und ich begeben uns also wieder auf die Suche nach neuen Musikern. Zuerst frage ich Mario, ob er wieder Lust hätte, bei uns mitzumachen. Er scheint nicht abgeneigt zu sein und so treffen wir uns nur wenige Tage später zu dritt in meiner neuen Wohnung auf der Ermelstraße in Dresden-Strießen. Natürlich wollte er wissen, was aus Ansgar geworden ist und so reden wir recht lange. Später spielen Peter, Mario und ich ein paar Songs und stellen fest, dass es immer noch ganz gut funktioniert. Zwischendurch bringen wir Mario auf den aktuellsten Stand und erzählen ihm, dass wir im kommenden Februar zwei Wohnzimmerkonzerte in Freital haben werden, wo er ja mal mitkommen könne - und dass wir die Tradition des jährlichen Weihnachtskonzertes nicht fortführen möchten, sondern stattdessen halbjährlich eine öffentliche Bandprobe machen wollen, in der wir ein paar Fans einladen, um mit uns einen schönen Nachmittag im Proberaum zu erleben. Mario findet beide Ideen toll und will uns bei der Suche nach einem neuen Schlagzeuger unterstützen. 

Am 12. Dezember 2015 spielen wir also zu dritt, den nunmehr 45. Auftritt seit der Bandgründung. Ein weiterer Grund zum feiern ist natürlich der Geburtstag von unserem Kumpel Frank, bei dem wir jedes Jahr, traditionell am zweiten Samstag im Dezember, ein Wohnzimmerkonzert spielen. Zum dritten Mal treten wir nun schon bei ihm zuhause auf, um dem Puhdysfan unsere Coversongs und die eigenen Titel in einer akustischen Version zu präsentieren. Ansgar, der an diesem Abend eigentlich an der Cayon sitzen wollte, um den Liedern den richtigen Takt zu verpassen, kann leider aus gesundheitlichen Gründen nicht am Konzert teilnehmen, aber natürlich denken wir den ganzen Abend an ihn. Nach dreizehn Songs gönnen wir uns eine Pause, in der jede Menge Kartoffelsalat mit Würstchen und belegte Brötchen serviert werden. Natürlich gibt es dazu auch reichlich Kaffee, Schnaps und Bier, was schnell für eine ausgelassene Stimmung bei Band und Publikum sorgt. Neben vielen tollen Gesprächen mit den treuen Fans, die jedes Jahr dabei sind, sorgt in der weihnachtlich geschmückten Einraumwohnung, auch der Rauch unserer Zigaretten für ausreichend Bühnennebel im zweiten Teil unserer Show. Frank fragt uns, ob wir im nächsten Jahr wiederkommen. Wir antworten: "Keine Frage! Der 06. Februar 2016 steht schon fest in unserem Terminkalender!"

Und so rücken wir nur einen knappen Monat später wieder, mit Gitarren, Mundharmonikas und jeder Menge Songs im Gepäck, in Freital ein. Wieder ist es eine kleine Runde unter Freunden und auch Mario begleitet uns an der Gitarre. Und so feiern am späten Abend dann manche Songs sogar noch ihre Live-Premiere, wie z.B. "Hey wir wollen die Eisbären sehen", "Wenn Träume sterben" oder auch "Erinnerung" von den PUHDYS. Für den jüngsten Gast, den vierjährigen Erik, stimmen wir dann spontan noch "In der Weihnachtsbäckerei" und "Der Popel" von GERHARD SCHÖNE an und erfüllen dem jungen Mann auch seinen Wunsch, mal die Gitarre und die Mundharmonika zu spielen. Es ist ein sehr schöner Abend, an dem einmal mehr wieder sehr viel gelacht, getrunken und gesungen wird. 

Wir freuen uns schon auf den nächsten Auftritt bei Frank und ahnen nicht, dass es nie wieder ein Konzert bei ihm oder mit ihm geben wird. Als wir eines Tages erfahren, dass Frank für immer von uns gegangen ist und die zahlreichen, fast schon legendären Wohnzimmerkonzerte bei ihm nie mehr stattfinden werden, sitzt der Schock tief. Ohne Franks Hilfe, hätten wir wohl unseren Schlagzeuger Ansgar nie kennengelernt und die Geschichte der Perlenfischer-Band wäre wahrscheinlich komplett anders verlaufen. Frank war für uns mehr als ein Fan der ersten Stunde. Er war ein Freund, mit dem man Pferde stehlen und außerordentlich feiern konnte. Frank liebte das Feiern und sein Leben, wie kein anderer, den wir kennen. Er war eine liebenswerte Berliner Schnauze, immer geradeaus und ein unermüdlicher Kämpfer. Uns verband außerdem die tiefe Liebe zur Musik, über die wir oft stundenlang mit ihm plauderten, während seine Schallplatten in Dauerschleife die Boxen zum Qualmen brachten. Er fehlt uns bis heute sehr und wird meinen Bandkollegen und mir immer in guter Erinnerung bleiben.

Es war schwer, sich nach dem Tod von Frank wieder der Musik zu widmen, aber Frank hätte nicht gewollt, dass wir lange trauern und unsere Musik schleifen lassen, also üben wir im Proberaum fleißig unser Repertoire.

2016

Es ist März 2016. Mario kauft sich Anfang des Jahres eine Bassgitarre und einen passenden Verstärker, um wieder als festes Mitglied unserer Band einzusteigen. Er legt die Akustikgitarre zur Seite und übt akribisch wie ein Wahnsinniger an seinem neuen Instrument und drückt sich in kürzester Zeit all unsere Songs auf.

Auch die schwierige Suche nach neuen Musikern trägt nun langsam Früchte. Bei einer Party in einem Studentenklub, nahe dem Straßburger Platz in Dresden, lerne ich zufällig Isabel kennen. Über einen gemeinsamen Kumpel kommen wir ins Gespräch und plaudern über ihren Gesang und meine Band. Prompt lade ich sie wenige Tage später zu mir nach Hause ein, um abzuchecken, ob die Chemie zwischen ihr, Peter, Mario und mir auch passt, denn das ist mir, seit dem ersten Ausstieg von Mario, extrem wichtig geworden. 

Am gleichen Tag wird sich uns auch ein neuer, potenzieller Schlagzeuger vorstellen. Er, mit bürgerlichen Namen Thomas, schrieb mir, nur wenige Tage bevor ich Isabel kennenlernte, dass er ein großer Fan der PUHDYS sei, seit ein paar Jahren Schlagzeug spiele und mal Bock hätte uns als Band kennenzulernen und ein paar Songs zu zocken. 

Das gemeinsame Treffen ergibt, dass wir fünf scheinbar sehr gut zusammenpassen. Wir spielen "Zombie" von "THE CRANBERRIES" und "Heart of Gold" von NEIL YOUNG. Die Rockstimme von Isabel haut uns vor Begeisterung direkt um und so laden wir sie zu einem weiteren Termin ein. Thomas begleitet uns währenddessen am Schlagwerk, welches aus Platzgründen kein Schlagzeug, sondern ausrangierte Mülleimer und der heimische Stubentisch besteht. Die Drumsticks werden durch Stifte ersetzt und man hört, dass der junge Mann ein unheimlich gutes Taktgefühl besitzt.

Auch der zweite Termin im Volume11 läuft super. Alle haben sich optimal vorbereitet. Isabel hat alle Texte drauf, Mario kann alle Songs auf dem Bass spielen und Thomas trommelt die Songs der PUHDYS wie im Original. Natürlich gebe ich mir vor den neuen Musikern besonders große Mühe und versuche meine Gitarre öfter zu nachzustimmen, als ich es vielleicht in den Proben davor getan habe, denn man will sich ja nicht blamieren. Peter ersetzt das nun noch fehlende Keyboard mit seiner Mundharmonika.

Weitere glorreiche Proben ziehen ins Land und es wird Zeit, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Im April 2016 frage ich Isabel, Mario und Thomas, ob sie sich vorstellen könnten, fest bei uns einzusteigen. Isabel und Mario sagen sofort freudestrahlend zu. Der junge Schlagzeuger hält sich allerdings bedeckt und äußert seine Bedenken: "Ich studiere zwar in Dresden und mache hier nebenher noch ein paar Nebenjobs, wohne ja aber noch in Delitzsch bei meinen Eltern. Versteht mich bitte nicht falsch, ich denke auch, dass wir menschlich sehr gut zusammenpassen würden, aber ich habe ja in Delitzsch noch meine Band namens PARLAY, in der ich schon als fester Schlagzeuger spiele und die Musiker dort will ich wirklich nicht sitzen lassen." Wir antworten, dass wir das gut nachvollziehen können und das auch alles akzeptieren werden, uns aber trotzdem riesig freuen würden, wenn er sich für uns und seine andere Band entscheiden würde. Thomas lässt uns aber weiter zappeln und wird uns letztlich erst im November 2016 seine endgültige Entscheidung mitteilen. Bis dahin wird er bei den folgenden Auftritten offiziell als Gastmusiker angekündigt.

Das erste Konzert mit neuer Fünf-Mann-Besetzung findet am 21. Mai 2016 im Moritzburger Landhof statt. Dort feiert meine Mutter mit zahlreichen Freunden und Familienangehörigen ihren sechzigsten Geburtstag. Neue Coversongs, wie z.B. "Aloha he" von ACHIM REICHEL, "Heart of Gold" von NEIL YOUNG oder auch "Boote der Jugend" von den PUHDYS werden hier das erste Mal von uns live gespielt und vom Publikum sofort gut angenommen und mitgesungen. Isabel, unsere neue Rockröhre, brennt sich mit "Zombie" von THE CRANBERRIES sofort in die Herzen unserer Fans und Mario meistert seinen ersten Live-Auftritt am Bass sensationell gut. Kaum zu glauben, dass er vor zwei Monaten das erste Mal eine Bassgitarre in den Händen hielt.

Zwischen unseren Songs gibt es diverse Kulturbeiträge der anwesenden Gäste, die ich anmoderieren darf. Es wird u.a. Geige gespielt, Gedichte vorgetragen und eine Diashow abgespielt. Unsere Band beteiligt sich am Lied "Keine Ahnung", welches die Brüder meiner Mutter textlich neu interpretieren. Die halbstündige Konzertpause nutzt die Band, um am Büffet zuzugreifen und erste Meinungen vom Publikum einzufangen. Auch nach dem Konzert sitzen wir noch sehr lange zusammen, verkaufen CDs und ernten unglaublich viel Lob der Zuschauer. Ebenfalls neu im Programm ist, dass ich das erste Mal die Songansagen und die Bandvorstellung mache und damit nochmal etwas mehr für Stimmung im Saal sorgen werde. Beim Song "Lied für Generationen" von den PUHDYS, den ich mit meiner Gitarre erstmals komplett allein auf der Bühne singe und somit einen Wunsch meiner Mutter erfülle, spüre ich förmlich die Emotionen im Saal. Vor allem die sehr persönlichen und bewegenden Worte von mir machen das Publikum sprachlos. Da stockte sogar den Bandkollegen hinter der Bühne kurz der Atem, erzählen sie mir zumindest anschließend.

Nach der vierstündigen Show sind wir dann doch alle ziemlich erschöpft, aber auch stolz, auf das, was wir in den letzten Monaten im Proberaum erarbeitet haben. Die Vorfreude auf die nächsten Auftritte ist nochmal um ein Vielfaches gestiegen und wir freuen uns auf die gemeinsame Zukunft.

Im Juni und Juli 2015 ziehen wir uns in den Proberaum zurück und üben weiter an Performance und Feinheit. Vor allem Übergänge zwischen den Strophen und Refrains werden verbessert.

Die nächste Mugge ist am 30. Juli 2016 in der Pirnaer Tierschänke, anlässlich Peters Geburtstag. Als wir zum Soundcheck eintreffen, werden wir sehr herzlich von den Betreibern der Kneipe begrüßt. Das Bier steht kalt und der Raum ist perfekt vorbereitet, um gegen 15 Uhr direkt mit dem Aufbau und Soundcheck beginnen zu können. Zwischen Soundcheck und Konzert ist dann noch etwas Zeit, die wir mit dem Hund des Kneipenbesitzers verbringen. Der Hund mag es Stöcke zu holen und stundenlang gestreichelt zu werden. Auch für das Eine oder Andere Gespräch mit den Gästen ist genug Zeit und Peter ist ja ohnehin mit dem Auspacken seiner Geschenke beschäftigt. Beim Konzert überraschen wir das Publikum mit mehreren neuen Coversongs, die sofort zum Mitsingen und Klatschen einladen. Die Stimmung ist sensationell als wir "Extreme" von ROLAND KAISER und "Verdammt ich lieb' Dich" von MATTHIAS REIM spielen. Überraschend ist wohl auch, als Mario und ich plötzlich die Instrumente tauschen und Isabel, mit ihrer unglaublich gefühlvollen Stimme, den Song "What's up" von FOUR NON BLONDES singt. Sogar Ansgar schaut vorbei und spielt spontan mit uns auf der Cajon. Nach dem Konzert sitzen wir noch bis tief in die Nacht zusammen und genießen den Geburtstagskuchen. Nicht zu vergessen, die schmackhaften Salate zu Bratwurst und Steaks, die wir bereits in der Konzertpause zu uns nehmen konnten. Ich denke, dass wir es geschafft haben, Peter einen unvergesslichen Geburtstag zu bieten, bevor wir uns im August ein weiteres Mal in den Proberaum begeben werden, um für unsere Show im September zu üben.

Es ist der 17. September 2016. OSTREA ist nun etwas mehr als sechs Jahre alt und wir machen uns auf den Weg zu unserem nächsten Auftritt, eine Hochzeit in Großröhrsdorf. Im dortigen Festsaal sind die Techniker noch mit dem Aufbau der Bühne beschäftigt. Etwas später dürfen wir gegen 17 Uhr unser Equipment auf die Bühne stellen und einen kurzen Soundcheck machen, während die einhundertfünfzig Gäste ihre Plätze einnehmen. Das Brautpaar selbst trifft erst gegen 19 Uhr ein, begrüßt die Gäste und eröffnet das reichhaltige Buffet. Die Zeit bis zum Auftritt kosten wir von den warmen und kalten Köstlichkeiten, die an einem langen Tisch abgestellt wurden. Das Buffet hielt auch jede Menge Obst und Bowle für uns bereit. Auf der Bühne finden derweil mehrere Hochzeitsspiele und Kulturbeiträge statt. Es werden Lieder gesungen, Anekdoten des Brautpaars erzählt, Bilder der Jungengesellenabschiede gezeigt, aber vor allem wird sehr viel getanzt. Kurz nach 22 Uhr ging es dann auch für uns auf die Bühne. Wir spielen die ersten acht Songs unserer Setlist und es wird weiterhin reichlich getanzt, gesungen und geklatscht. In der Pause gibt es wieder Kulturbeiträge der anwesenden Gäste, bis wir letztlich wieder gegen 23.30 Uhr auf die Bühne treten, um die letzten vier Songs unseres Programmes zu spielen. Kurz nach Mitternacht beginnt für uns der Abbau, welcher durch die großartige Unterstützung der anwesenden Techniker schnell erledigt ist und uns die Möglichkeit gibt, noch ein paar Minuten die Gäste beim Feiern und Tanzen zu beobachten. Gegen 1.15 Uhr machen wir glücklich und gut gelaunt auf den Heimweg, denn die Technik muss ja noch, trotz dem Regen, der uns den ganzen Tag ein treuer Begleiter war, ins Trockene gebracht werden, um für den nächsten Auftritt vorbereitet zu werden. 

In Großröhrsdorf haben wir sehr viel Feedback bekommen, dafür sind wir sehr dankbar und fühlen uns gut, motiviert und bereit für neue Songs. Im Proberaum entstehen die eigenen Lieder "Ich liebe alle", "Hart am Limit", "Kein leichtes Spiel", "Geh!" und "Letzte Worte", die wir schon im kommenden Monat, bei unserem Auftritt beim SPH-Bandcontest live präsentieren möchten. 

OSTREA @ SPH Bandcontest

Der SPH-Bandcontest ist ein Wettbewerb für junge Nachwuchsmusiker und Bands aus ganz Deutschland. Gewinnen kann man hohe Geldbeträge für die Bandkasse, eine Musikvideoproduktion und sogar einen Plattenvertrag, vorausgesetzt man schafft es bis ins Deutschlandfinale. In jeder Runde müssen die teilnehmenden Bands Tickets für die Show verkaufen, wo sie dann gegeneinander, jeweils eine halbe Stunde mit ausschließlich eigenen Liedern auftreten werden. Nach dem Auftritt gibt es nach jeder Runde eine Jury-Auswertung mit Tipps und Ratschlägen, wie man seinen Auftritt noch optimieren könnte. Letztendlich entschied dann das Publikum mit Stimmzetteln und die Jury, welche Band es in die nächste Runde schafft. Meist wird es dadurch natürlich die Band sein, die vor der Veranstaltung die meisten Tickets verkauft hat.

Nachdem wir uns bereits im Januar 2016 für einen Auftritt beim SPH-Bandcontest beworben hatten, dann aber aufgrund der Änderung unserer Besetzung nicht auftreten konnten, steht nun am 7. Oktober 2016 nun der Termin für den Nachholtermin an. Zwölf Wochen haben wir insgesamt für diesen Auftritt im Dresdner Bärenzwinger geprobt und was soll man sagen: Es hat sich gelohnt! Schon als wir 17.30 Uhr an der Location ankommen, um die Technik aufzubauen und den Soundcheck zu machen, lernen wir die Band EKSPERIMENT kennen, die im Vorverkauf sieben Tickets mehr als wir verkauften und sich nun als erste Band aussuchen darf, wann sie spielen wollen. Sie entscheidet sich für den Auftritt an dritter Stelle. Da wir die Band mit den zweitmeisten Ticketverkäufen sind, entscheiden wir uns für Platz 2. Vor uns spielt die Band VIBRA und zum Schluss rockt noch die Kapelle FEIN die Bühne. Der Aufbau und Soundcheck verläuft reibungslos und so können wir pünktlich um 21.15 Uhr die Bühne betreten und unsere 8 Songs zum Besten geben. 

Schon nach dem ersten Lied fehlen mir die Worte bei meiner Begrüßungsansage. Die ca. 120 Leute im Publikum feiern, tanzen, grölen, und schreien in Richtung Band, dass wir uns auf der Bühne, trotz vieler Monitore, kaum noch selber hören. Mit solch einer Resonanz haben wir wirklich nicht gerechnet. Die Stimmung ist von der ersten bis zur letzten Sekunde überwältigend und spornt uns an, alles zu geben. Der neue Song "Ich liebe alle" feiert eine sensationelle Live-Premiere und wird nun definitiv auf unserer nächsten CD erscheinen, an der wir bereits jetzt akribisch arbeiten. Nach der Bandvorstellung und der Verabschiedung schmettern wir noch das "Raucherlied", welches die Leute noch bis tief in die Nacht durchs Foyer brüllen werden, eben immer dann, wenn sie sich eine Zigarette anzünden. 

Wir wissen nicht, wie viele Menschen uns nach unserem Auftritt um den Hals gefallen sind und uns gelobt haben. Es müssen hunderte gewesen sein! Wir sind völlig sprachlos, wie viele Leute an uns gedacht und an uns geglaubt haben, uns unterstützt und für uns abgestimmt haben. Es macht uns mehr als stolz, dass den Leuten auch unsere eigenen Songs so gut gefallen und sie scheinbar, genau wie wir, nicht genug davon bekommen. Leider ist es uns, wie so oft, aus Zeitgründen untersagt, die eine oder andere Zugabe zu spielen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause werden von der Jury die Stimmen des Publikumvotings ausgezählt und auf der Bühne die Siegerehrung durchgeführt. Die Band FEIN hat es leider nicht geschafft und ist ausgeschieden. VIBRA belegt den dritten Platz und dann wird es spannend. Mit nur vier Prozent der Stimmen lag EKSPERIMENT vor uns und holt sich den ersten Platz. OSTREA wird zweiter. Damit hätten wir nie und nimmer gerechnet. Wir werden nochmals auf die Bühne geholt und jede Band bedankt sich beim Publikum. Gegen 1 Uhr beginnen wir die Bühne abzubauen und genießen die vielen wunderbaren Gespräche mit vielen bekannten, aber auch bis dahin unbekannten und neuen Fans, die uns toll fanden und gern wieder zu uns kommen möchten. Die Gelegenheit dazu gibt es in der nächsten Runde des SPH-Bandcontestes, zum Stadtfinale am 30. Juni 2017 an gleicher Stelle. 

Für diese zweite Veranstaltung, direkt im Dresdner Stadtzentrum, unter der Brühlischen Terrasse, verkaufen wir mehr als einhundert Tickets. Das ist für uns schon eine ganze Menge. Es ist schwer in Worte zu fassen, was wir als Band an diesem Abend erlebt haben. So viele Menschen haben es sich nicht nehmen lassen, sich unsere dreißigminütige Show beim Stadtfinale des SPH-Bandcontests im Dresdner Bärenzwinger anzuschauen. Unsere Show beginnt diesmal mit dem Intro unserer neuen CD, an der wir gerade arbeiten. Gefolgt von bekannten und zwei neuen Songs unserer Band kämpfen und hoffen wir, dass wir es in die nächste Runde schaffen. 

Wieder schallt ein ohrenbetäubender Lärm nach jedem gespielten Song vom Publikum hinauf zur Bühne und sorgt in mir für reichlich Adrenalin und Schweißperlen auf der Stirn. Wir geben alles, um eine Show der Superlative abzuliefern. Vor unserem Auftritt verteilen wir Shirts, auf denen wir unser Logo drucken ließen, damit die Jury sieht, wer die meisten Fans mitgebracht hat. Ja, wir hatten tatsächlich die meisten Tickets verkauft und das soll man nun auch sehen können. Bei dem Song "Heaven" verteilen wir Leuchtstäbe im Publikum und lassen den großen Studentenklub regelrecht aufleuchten. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Massen vor der Bühne feiern, tanzen und rocken zu sehen. 

Gegen 1.30 Uhr verkündet die Jury endlich das Ergebnis. OSTREA belegt den ersten Platz und wandert ins Regionalfinale! Es ist einfach unglaublich, unfassbar und unendlich schön. Wir haben so lange dafür geprobt, gearbeitet, gekämpt und nun fünf andere Bands an die Wand gespielt. Das ist wohl der schönste Abend in der Geschichte unserer Band. Doch ohne unsere Fans wäre das niemals möglich gewesen und wir sind verdammt stolz, solche treuen Fans zu haben, die uns unterstützen und zu uns halten. 

"Wir sind im Regionalfinale! Danach kommt nur noch das Deutschlandfinale! Jetzt gibt es erstmal OSTREA-Schnaps!" ruft Isabel und trommelt die restliche Band zusammen. Getrunken wird Korn mit aufgelösten Multivitaminbonbons, der genauso köstlich wie gefährlich ist - ein Glas zu viel und man sieht die Welt mit anderen Augen. Dieser, von ihr selbstgemachte, Schnaps wird zukünftig zu fast jedem wichtigen Treffen der Band mitgebracht und verköstigt.

Während wir also den Schnaps trinken, findet ein Phänomen statt, welches sich ebenfalls bei fast allen weiteren Auftritten wiederholen wird. Die Bühne ist längst abgebaut und die Technik im Auto verstaut und wir sitzen, gefühlt allein, in der Location. Plötzlich ertönt aus der letzten Ecke eine wildfremde Stimme, die lauthals den Refrain von unserem "Raucherlied" grölt. Was für ein schönes Gefühl für mich als Songwriter!

Das Regionalfinale findet am 2. September 2017 in Leipzig statt. Die Location heißt "Halle 5" und überzeugt vor allem durch ihren sehr geräumigen Backstage-Bereich und einen grandiosen Tontechniker. Leider verkauften wir für diese Show nicht so viele Tickets, wie zur Vorrunde und zum Stadtfinale, was es uns natürlich schwerer machte ins Deutschlandfinale zu kommen, in die nächste und letzte Runde des Wettbewerbes. Vor allem die Bands aus dem Leipziger Raum hatten hier wohl einen entscheidenden Vorteil, uns gegenüber. Dennoch kocht der Saal bei unserem Auftritt und wir genießen noch einmal den Krach des Publikums mit der Vorahnung, dass der SPH-Bandcontest für uns wohl heute zu ende gehen wird.

Die Jury bemängelt diesmal das langwierige und leidige Thema Bühnenperformance. Eigentlich dachten wir, dass wir uns diesbezüglich stark verbessert hätten, aber vor allem Peter hampelt, wahrscheinlich vor Aufregung, wieder ganz furchtbar von einer Bühnenecke zur nächsten. Ich würde zwar nicht sagen, dass das allein der Grund war, dass wir tatsächlich am Ende des Tages aus dem Wettbewerb ausscheiden, aber wahrscheinlich hat es minimal dazu beigetragen und gereicht. Das Deutschlandfinale werden wir also in der Tat nicht erleben.

Am nächsten Morgen erreichen uns unzählige Emails mit Glückwünschen und motivierenden Zeilen für die Zukunft, für die wir uns hier nochmals ganz herzlich bedanken möchten. Noch immer sind wir überwältigt, wenn wir an diese Auftritte  denken. 

Schade, dass es nun vorbei ist. Trotzdem haben wir die Teilnahme am SPH-Bandcontest unheimlich genossen, nie bereut und vor allem gemerkt, dass wir doch schon eine kleine Fanbase hatten, die bereit war uns hinterher zu reisen, um unserer Shows zu erleben. Wir sind sehr stolz darauf, so weit gekommen zu sein. Ich denke, dass es für jeden Einzelnen von uns eine tolle und aufregende Erfahrung mit wahnsinnig vielen Eindrücken und Erlebnissen war. Besonders beeindruckt hat mich an diesem Wettbewerb das kollegiale Verhalten aller teilnehmenden Bands, die Geduld der Techniker, denen wir es wirklich nicht immer leicht gemacht haben, die Jury, die uns mit ihrem konstruktiven Feedback nach den Shows sehr geholfen hat und die freundliche und schnelle Bedienung an den Theken der verschiedenen Lokalitäten.  

Die größte Herausforderung bei solchen Auftritten ist es wahrscheinlich, nur eigene und keine Coversongs spielen zu dürfen, was für viele vielleicht eine Teilnahme in ferne Zukunft rücken lässt. OSTREA hatte ja aber genug eigene Songs, die sich auch wunderbar für einen solchen Contest eigneten.

Doch auch zwischen der Vorrunde und dem Regionalfinale gab es, fernab des Wettbewerbes, ein paar Auftritte, von denen es sich lohnt zu erzählen. So spielten wir zum Beispiel am Samstag, den 12. November 2016 in der Zschopauer Bauernstube bei der großen Geburtstagsfeier von Isabels Vater. 

Als wir am Proberaum unser Equipment für diesen Auftritt versuchen im Auto zu verstauen, stellen wir fest, wie schnell es in einem Kleinwagen der Marke SEAT eng und kuschelig werden kann. Im Kofferraum befindet sich die Gesanganlage, die Gitarrenverstärker und ein Mischpult. Mehr passt dort aber wirklich nicht rein. Auf der Rückbank sitze ich in der Mitte, zusammen gepfercht und dicht an dicht neben Mario und Thomas. Auf unseren Oberschenkeln liegen drei Gitarren übereinander gestapelt. Peter macht es sich vorn auf dem Beifahrersitz bequem, bewaffnet mit einem überfüllten Merchandise-Koffer. Neben ihm sitzt Isabel, die das Fahrzeug steuert und wohl die meiste Beinfreiheit hat.

Es muss ein Bild für die Götter sein, wie wir uns (im wahrsten Sinne des Wortes) in das Auto "eingebaut" haben. Doch es gibt keine Zeit zu verlieren. Pünktlich um 13.30 Uhr starten wir unsere 1,5-stündige Fahrt nach Krumhermersdorf bei Zschopau, wo wir, auf die Sekunde, pünktlich um 15 Uhr in der Bauernstube eintreffen. Nach einem kurzen Plausch mit den dortigen Pächtern Ina und Thomas und einem schnellen Kaffee, nach der doch sehr unbequemen Anreise, beginnen wir mit dem Aufbau. Nun kommt auch Klaus dazu. Er ist am Abend für die Technik zuständig und macht einen sensationell guten Job, sodass der Soundcheck schnell erledigt ist. Isabel und Thomas nutzen die verbleibende Zeit bis zum Showbeginn, um sich im nahe gelegenen Wünschendorf einzuquartieren, wo wir die anschließende Nacht verbringen werden. Peter, Mario und ich bleiben vor Ort und halten die Stellung und ein Bier in der rechten Hand. 

Gegen 18 Uhr sind alle wieder in der Location und der Abend beginnt mit einer sehr liebevoll vorbereiteten Diashow zum 60. Geburtstag des Gastgebers. Danach wird vom Selbigen das Buffet, gedeckt mit zahlreichen Leckereien für jeden Geschmack, eröffnet und von den, rund fünfzig, Gästen mehrfach aufgesucht. Zirka 19 Uhr spielen wir dann die ersten neun Songs unserer Setlist. Die Stimmung ist vom ersten bis zum letzten Ton phänomenal. Nach unserem "Raucherlied" geben wir die Bühne für diverse Kulturbeiträge der Feiergäste frei, die natürlich zum Geburtstag auch ein Ständchen geben wollen. Danach hat der Techniker Klaus seinen großen Auftritt. Gemeinsam mit seinem Kumpel Andy spielen die beiden mit Gitarre und Keyboard viele Evergreens aus mehreren Jahrzehnten. 

Dann folgt der zweite Teil unserer Show, in dem wir nochmal zehn Songs zum Besten geben. Das Publikum feiert mit uns die Uraufführung des KARAT-Songs "Blumen aus Eis", den wir an diesem Abend das erste Mal spielen. Besonders freuen wir uns über die spontanen Einlagen von Klaus und Andy, die unsere Songs begleiten. Das klappt so gut, dass wir als Zugaben noch einige Lieder, wie z.B. "Knocking on heavens door", "Ewig leben", "Jugendliebe", "Hey, wir wollen die Eisbären sehen", u.v.m. gemeinsam spielen. Dadurch zieht sich das  musikalische Programm dann bis zirka 0.30 Uhr hin, weil das Publikum einfach nicht genug bekommen will. 

Gegen 1.30 Uhr verlassen wir das Lokal und fahren mit einem Großraum-Taxi nach Wünschendorf, um wenigstens noch paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor wir am nächsten Tag wieder in Richtung Heimat aufbrechen müssen. In der Unterkunft gehe ich duschen und lege mich anschließend auf das für mich vorgesehene Bett. Das Zimmer teile ich mir mit Thomas, der noch bis in die Morgendämmerung hinein sein Hörbuch "Herr der Ringe" hört und dabei irgendwann einschläft. Ich liege wach, weil ich das Gerät nicht einfach ausschalten kann - Thomas liegt genau auf dem Abspielgerät. Ich könnte Thomas wecken, lass ihn dann aber doch schlafen und hoffe, dass ich trotz des Lärms und der langweiligen Dialoge des Hörbuches irgendwann vor Erschöpfung einschlafe. Gegen 5.30 Uhr lässt der Akku nach, ich kann die Ruhe hören und nun endlich auch mal schlafen.

Am Sonntagmorgen werden wir mit einem reichlichen Frühstück und starken Kaffee überrascht. Das war der nötigste Kaffee meines Lebens! Anschließend fahren wir gut gesättigt zurück nach Krumhermersdorf, um unsere Technik abzubauen und mühsam in den SEAT zu verladen. Mario schläft noch und so müssen wir vor der Rückfahrt nochmal an der Unterkunft vorbei, um ihn abzuholen. Stark übermüdet kommen wir gegen 14 Uhr in Dresden an.

Der nächste Auftritt findet am 27. November 2016 statt. Zum ersten Mal seit unserer Bandgründung machen wir Dresdens Kneipen- und Szeneviertel unsicher. Im Veranstaltungsraum "Die Wanne" treffen wir um 18.30 Uhr ein. Es ist ein kleiner Raum des Stadtteilhauses "Äußere Neustadt", wo bereits Scheinwerfer und ein großes Mischpult auf uns warten. Der hauseigene Techniker ist gerade dabei, zirka 40 Stühle für das Publikum aufzustellen. Wir nutzen die Zeit, um uns auf der Bühne vorzubereiten. 

Gegen 19 Uhr betreten dann bereits die ersten Zuschauer den Saal. Die Sitzreihen füllen sich schnell und es wird eng. Nun treffen auch die anderen Musiker und Textautoren in der Location ein, die zwischen unseren beiden Kurzauftritten performen sollen. Kurz nach 20 Uhr sagen uns dann die zwei jungen Moderatorinnen an und schon geht es los. Wir spielen 3 Songs und machen dann auch schon wieder die Bühne für die anderen Künstler frei. Thomas, unser Mann an der Cajon, kann uns dieses Mal leider nicht begleiten, da er zeitgleich einen Auftritt mit der Band "Parlay" hat. Gegen 21 Uhr folgte eine kurze Pause, die gerade so für den Toilettengang und eine schnelle Zigarette reichte. Höhepunkt des Abends war ein Zauberer, der im zweiten Teil der Veranstaltung auch unsere Sängerin unter seine Fittiche nahm. Er zauberte sie aber zum Glück nicht weg, denn wir brauchten sie ja noch für den zweiten Auftritt, der am Ende der Veranstaltung folgte. Mit tobendem Applaus ging gege 22.30 Uhr ein sehr spannender und kultureller Abend dem Ende entgegen. Wir bauten ab und fuhren relativ schnell heim. Für alle, die es zeitlich nicht zu dieser Veranstaltung geschafft haben, gibt es am 13. Dezember 2016 eine Zugabe im nicht weit entfernten im St. Pauli-Salon. Dort werden wir bei der Veranstaltung "Bühne frei!" nochmals als Rahmenband live und unplugged zu erleben sein. Der Eintritt frei

SETLIST: Wiederkehr, Einsam und Allein, Raucherlied, Heaven, Dresden-Blues, Alter Kapitän










Gut besucht war auch die Lesung am 12. Dezember 2015 in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost. 


Fünf Autorinnen und zwei Musiker gaben in knapp zweieinhalb Stunden ihr Bestes in der Stadtbibliothek Radebeul-Ost. Gelesen wurde jeweils 15 Minuten aus dem Buch "Ich schreibe mein Leben - Kriegsfolgen im Frieden". Zwischen den Texten gab es unsere Lieder in einem akustischem Gewand und die Zuschauer, im gut gefüllten Veranstaltungsraum, dankten es uns immer wieder mit zahlreichem Applaus. Überraschend las auch unser Gitarrist Micha diesmal ein selbst geschriebenes Statement zur aktuellen politischen Lage in Deutschland vor. Wir freuten uns auch sehr, dass dieses wichtige Buch nun in der Radebeuler Stadtbibliothek von Jedermann ausgeliehen werden kann. Nach der Lesung, kurz nach 21 Uhr nutzten wir die Gelegenheit, das Publikum in eine Diskussion einzuladen. Dieses Angebot wurde von den Zuschauern, wie auch in den letzten drei Lesungen, an den wir teilgenommen haben, sehr gut angenommen. Besonders beeindruckt waren wir von einem Japaner, dem die vorgetragenen Texte die Tränen in die Augen trieben und der auch sehr interessiert unserer Musik lauschte und sich sehr positiv über unser Projekt äußerte. Gegen 22 Uhr räumten wir unser Zeug ins Auto und tranken noch ein wohl verdientes Feierabendbier und traten danach den Heimweg an.

SETLIST: Wir danken Euch, Hinter den Städten, Dresden-Blues, Sinn des Lebens, Apfeltraum


 OSTREA

KEIN LEICHTES SPIEL

    Die Bandbiographie

Es ist das Jahr 2001, genauer gesagt der 8. September um 19.30 Uhr, als ich beginne, mich für Rockmusik zu interessieren. Ich bin 5.189 Tage alt und stehe auf der Festwiese in Altkötzschenbroda.

Dort wo sonst Rummel und Fressbuden stehen, oder sich sonst einfach nur ein schlammiger Parkplatz für die angrenzende Sporthalle befindet, wird heute ein Rockkonzert der PUHDYS stattfinden. Das Wetter ist toll, die Leute sind nett und Techniker wetzen von links nach rechts über die riesige Openairbühne und treffen die letzten Vorbereitungen für das Konzert.

Es wird langsam dunkel und es sind nur noch wenige Minuten, bis Dieter "Maschine" Birr und Dieter "Quaster" Hertrampf an die Gitarren und Mikros, Peter "Eingehängt" Meyer ans Keyboard, Klaus "Mischpult" Scharfschwerdt an sein Schlagzeug und Peter "Bimbo" Rasym an seinen Bass treten wird.

Vor ihnen steht in der zweiten Reihe ein dunkelblonder, 14-jähriger Bub mit strahlend-großen Augen, die den Konzertbeginn kaum erwarten können. Dieser Bub bin ich, Michael Novy aus Dresden, oder auch "Micha aus DD" - so nenne ich mich wenige Tage später im Internet, als ich mich im sogenannten PUHDYS-Forum anmelde, um mich mit anderen Fans austauschen zu können.

Was bleibt (Puhdys)

(Text: Gerulf Pannach)

Alles was zuende ist, kann auch Anfang sein

man sollte nicht an alten Zeiten kleben

doch ich bin kein Ignorant, der zu schnell vergisst

das was einmal war ist auch mein Leben

Vieles hab' ich nicht erkannt, manches auch versäumt

doch ich habe immer was gefunden

Träume vom Schlaraffenland hab' ich auch geträumt

als ich hinkam war es schon verschwunden

Was bleibt, was uns bleibt, sind Freunde im Leben

Was bleibt, was uns bleibt, sind Freunde im Leben

Mauern werden aufgebaut, Mauern stürzen ein

doch sie können manchen auch erschlagen

Wenn das Eis zu tauen beginnt, bricht man auch schneller ein

doch die ersten Schritte muss man wagen

Wenn wir nachts die Sterne sehen

wie sie still am Himmel stehen

scheint sich gar nichts zu bewegen

und doch fliegen wir dahin

Was bleibt, was uns bleibt, sind Freunde im Leben

Was bleibt, was uns bleibt, sind Freunde im Leben

31.10.2020



die Zeile

Raucherlied

Bandname



  • Profile aller Bandmitglieder

  • Kennenlernen
  • alle Texte und dessen Entstehung
  • kompletter Tourplan
  • Veröffentlichungen

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  1. Vom Punkrock zum Akustik-Duo (erstes Puhdyskonzert bis Kennenlernen Peter)
  2. Die ersten Songs und Auftritte
  3. Nathanael und die erste CD
  4. Marcel und der Weg zum Superstar
  5. Ein Multitalent namens Hannes
  6. Ansgar bringt neuen Wind
  7. Namenswechsel
  8. Das zweite Studioalbum und das 5-jährige Bandjubiläum
  9. Ostrea 2.0
  10. SPH & WU-Bandcontest
  11. Peter steigt aus
  12. Hart am Limit wird produziert
  13. Babypause
  14. Corona
  15. Doppelalbum & 10-jähriges Bandjubiläum
  16. Das Ende der Band



Gefühle vor,

während, nach dem Auftritt, über Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten, Auftrittsprobleme, Hindernisse, Hintergründe usw.

Möglichst viel Neues, was wir LeserInnen noch nicht wissen. Auch über Privates, was jede(r) von euch - sofern sie/er es wollen - von sich selbst preisgeben will

(Kindheit, Studium, Lehre, Beruf, Familie usw. - also die eigene Persönlichkeitsentwicklung, vielleicht mit paar lustigen, aber auch ernsthafteren Anekdoten, alles

vielleicht auch nicht losgelöst von eigenen Meinungen über Reaktionen, Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse, Zusammenkommen, Zusammenhalt usw.)

So wie du es ja auch schon alles formuliert hast. Und was Musik generell für euch bedeutet. Was jede(r) noch so an Musik hört. Neugierig macht immer, wenn

etwas persönliches erzählt wird, auch mal was, was schief gelaufen ist, wie die Meinung zu bestimmten Lebensthemen sind (soll ja ein Wälzer werden).