OFFENER BRIEF


Foto: Privatarchiv Michael Novy
Foto: Privatarchiv Michael Novy

Guten Tag, mein Name ist Michael Novy, ich wohne in Dresden und bin 33 Jahre alt. Schon in frühester Kindheit begann ich Gedichte und Texte zu schreiben. Bisher veröffentlichte ich zwei Bücher, die ich selbst geschrieben habe. Im Alter von 17 Jahren gründete ich meine erste Band und begann eigene Songtexte und Melodien zu schreiben - immer mit dem Traum, sie irgendwann einem breiten Publikum präsentieren zu können. Ich steckte jede freie Minute meines Lebens sehr viel Ehrgeiz, Herzblut und Arbeit in dieses Hobby und bin stolz, dass ich mit meiner Musik bis heute schon sehr viele Menschen erreichen und ihnen in gewisser Form auch helfen konnte, bzw. gefühlsmäßig abholen konnte. So spielte ich zum Beispiel mehrfach in einem Pflegeheim vor geistig behinderten Menschen, wo ich schnell merkte, welch starken Einfluss die Musik auf die Seelen der Menschen hat.

 

Seit nunmehr 16 Jahren kämpfe ich von Tag zu Tag für den Erhalt der deutschen Rockkultur, indem ich mit meiner Band Hits aus über 40 Jahren covere, immer in einer gesunden Mischung mit meinen eigenen Songs. Ich habe es mühevoll geschafft, mir eine kleine Fanbase aufzubauen, die mir nicht nur im Social-Media-Bereich interessiert folgt, sondern auch bereit ist, meiner Band und unserer Kunst hinterher zu reisen, um sich keines unserer Konzerterlebnisse entgehen zu lassen.

 

2020 war selbst für mich als Hobbymusiker ein furchtbares Jahr. Von 12 langfristig geplanten und bis ins kleinste Detail durchorganisierten Veranstaltungen, für die monatelang geübt und geprobt worden war, fand sage und schreibe 1 Veranstaltung statt, alle anderen Events wurden abgesagt oder verschoben und keiner weiß, wann sie nun tatsächlich stattfinden können. Die Kosten für Veranstaltungswerbung, Technik und Proberaum, sowie die nicht geringen Domainkosten für die Webseiten meiner Projekte, konnten also nicht wie sonst abgedeckt werden. Nicht zuletzt hätte es wohl noch wesentlich mehr Auftrittsanfragen gegeben, hätte man der Veranstaltungsbranche nicht im Februar/ März diesen Jahres das Genick gebrochen.

 

Nun kann man mir vorwerfen, ich sei ein Hobbymusiker und hätte mit all dem ja gar nichts zu tun und das was ich hier schreibe, wäre jammern auf hohen Niveau. Aber nein! Klar bin ich froh, dass ich mich bisher nicht getraut habe, mein Hobby zum Beruf zu machen, sonst würde es mir jetzt wohl so gehen, wie den 1,5 Millionen Menschen da draußen, die seit nunmehr acht Monaten nicht mehr arbeiten DÜRFEN! Ich frage mich nur, wie das alles weitergehen soll. Wenn 85 Prozent der Gaststätten, Bars, Restaurants, Hotels und Kleinunternehmen der Veranstaltungsbranche zur Insolvenz gezwungen werden und somit die Städte wie Berlin, München, Köln und auch Dresden unheimliche Verluste fahren, weil sie kaum noch Touristen empfangen, die nicht selten genau aus diesem Grund der Kultur anreisen. Wo kommen wir hin, wenn die Politik weiterhin schweigt und dieses so sehr wichtige Thema ignoriert? Wie lange halten dann diese Betriebe und Soloselbstständige noch durch, bis sie endgültig das Handtuch werfen und ihre Leidenschaft und Lebensaufgabe an die Wand nageln MÜSSEN?! Wie müssen diese Menschen sich gerade fühlen, wenn ich mich als kleiner, recht unbekannter Künstler schon frage, wie lange ich mir das sinnlose Üben für Nichts und diese hohen Ausgaben, die wohl nie wieder eingespielt werden können, noch antun möchte?

 

Foto: Privatarchiv Michael Novy
Foto: Privatarchiv Michael Novy

2010 gründete ich neben meiner eigenen Band den ersten offiziellen Fanclub für Ex-Puhdy Dieter "Quaster" Hertrampf, den ich seit meiner Jugendzeit für sein Engagement und seine Professionalität sehr bewundere. Er ist hauptberuflicher Musiker und war zu DDR-Zeiten einer der gefragtesten Musiker im Land. Mit seinen fast 76 Jahren tingelt er seit über 50 Jahren noch immer durch die Landen, um sein Publikum zu begeistern. Selbst er hat so etwas in all den Jahren nie erlebt und muss sich nun Gedanken machen, wie es weitergeht. Ist das die Zukunft?

 

Ich hoffe nicht, liebe Politiker! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Michael Novy

Dresden, den 01.11.2020